Die Skulpturen “Sprachzylinder” von Rupprecht Matthies auf dem Parkplatz der Deichtorhallen

Rupprecht Matthis neben einem Sprachzylinder. Foto: Deichtorhallen/B. Hübner

Zwei neue Skulpturen bereichern ab dem 9. November 2002 den öffentlichen Raum in Hamburg: Der Hamburger Künstler Rupprecht Matthies hat für den Parkplatz der Deichtorhallen zwei „Sprachzylinder“ entwickelt. Diese wurden am 9. November um 15 Uhr unter Anwesenheit des Künstlers im Rahmen des Tages der Kunstmeile eingeweiht.

Die Skulpturen sind pavillonförmige Stahlzylinder, deren Gitter, anders als in üblichen Gartenpavillons, aus Begriffsreihen bestehen. „Öffentlich Rumlungern“, „Hirnachterbahn“, „Spaßkritik“ – man braucht wohl eine kurze Kontemplationspause, um aus solchen Begriffen schlau zu werden. Zur Ermittlung der Begriffe wurden Befragungen durchgeführt, die darauf zielten, die Nutzer des Deichtorhallenplatzes über ihre Aktivitäten auf dem Platz, ihre Einstellung zur Kunst, ihre persönliche Wahrnehmung des Ortes sowie ihre Wunschvorstellungen bezüglich seiner Gestaltung „zu Wort kommen“ zu lassen.

Der Deichtorhallenplatz, angesiedelt zwischen repräsentativen Kulturinstitutionen wie den Deichtorhallen, dem Hamburger Kunstverein und dem von den Architekten Bothe/Richter/Teherani entworfenen Deichtor-Center, ist ein stark frequentierter öffentlich zugänglicher Raum. Einerseits wird er zwar nur als windiger Parkplatz und rasch zu durchquerendes Gelände erfahren, andererseits aber dient er als Entspannungsort, zum Sonnenbaden oder wird bei Open-Air Veranstaltungen von zahlreichen Besuchern belebt.

Der Deichtorhallenbesucher, der verträumte Flaneur, der Museumswärter, der hastige Parkplatzbesitzer, sie alle verleihen nun mit ihren privaten, in Worte gefassten und durch die Sprachzylinder ins Öffentliche überführten Gefühlen, Gedanken, Erwartungen und Wünschen dem Platz repräsentative Zeichen. Die von ihnen genannten Begriffe reflektieren den gegenwärtigen Zustand, weisen jedoch zusätzlich über ihn hinaus auf eine utopische Dimension. Hiervon ausgehend hat Rupprecht Matthies eine Zuweisung der jeweiligen Worte in eine den Ist-Zustand beschreibende und eine den Soll-Zustand aufzeigende Skulptur vorgenommen.

Rupprecht Matthies macht auf den Sprachzylindern private Eindrücke öffentlich und schafft damit Kunst im öffentlichen Raum, die hinsichtlich der Herausbildung ihrer Orientierungsfunktion das soziale Umfeld bereits im Prozess der Produktion teilhaben lässt.

Auf der Rezeptionsebene wiederum ermöglichen die Sprachzylinder einen Übergang ins Private: Durch das Herausreissen der einzelnen Begriffe aus einem zusammenhängenden Sinnkontext wird der Raum geöffnet zur individuellen oder privaten Aneignung der öffentlichen Worte.