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JAPAN

Harumi NAKASHIMA: "Hart kämpfende Form", 2002 (Foto: Taku Saiki)

Keramik und Fotografie - Tradition und Gegenwart

 

Die Faszination, die von Japan ausgeht, hat in der letzten Zeit verstärkt Einzug in die Kultur Europas gehalten. Von Sushi über Judo, vom Fernsehprogramm bis zur Mode gehören japanische Elemente zu unserem Alltag. Auch in der Kunst sind japanische Namen keine Seltenheit mehr. Woher kommt das große Interesse für dieses fernöstliche Land? Die Verbindung von Tradition und Gegenwart, z. B. in der gleichzeitigen Präsenz von klassisch gekleideten Geishas und poppigen Jugendlichen, von lebendigen Traditionen, wie der Teezeremonie und technischen Innovationen ist ein Aspekt - die Ästhetisierung des Alltag ein anderer.

 

Die Deichtorhallen wollen mit dem Japan-Schwerpunkt in ihrem Programm zwischen November 2002 und Mai 2003 diesem Phänomen auf die Spur kommen. Nach der Ausstellung über Manga, japanische Comics, werden jetzt zeitgenössische Keramik und Fotografie vom 31. Januar bis 4. Mai 2003 ausgestellt.

 

Die japanische Keramik beeindruckt durch ihre bruchlose Tradition, die in der klassischen Teekeramik bis heute besteht, auf deren Wurzeln aber auch skulpturale, keramische Objekte der freien Kunst entstehen. Die Fotografie dagegen stellt ein westliches Medium dar, deren Inhalte sowohl vom japanischen wie auch dem europäischen und amerikanischen Kulturkreis beeinflusst sind. Spezifische, „japanische“ Themen wie die unüberschaubaren Stadtlandschaften als Orte der Massengesellschaft werden hier ebenso thematisiert wie der Konflikt zwischen den traditionellen Lebensformen und der Gegenwart. Szenen aus dem pulsierenden großstädtischen Leben Tokyos, wie bei Homma, Seto oder Kasai stehen ruhige Landschaftsaufnahmen von entlegenen Gegenden gegenüber, wie sie bei Seino, Sasaoka oder Sugimoto zu finden sind. Auch die Brüche in der Kultur durch westliche Einflüsse und Modernisierung sowie das Verhältnis von Natur und Zivilisation bilden weitreichende Themengruppen.

Die Keramik hingegen ist stark ihrer tausendjährigen Tradition verhaftet. Sie genießt, anders als in Europa, einen wesentlich höheren Stellenwert. Am deutlichsten tritt dies bei den großen modernen Meistern der Teekeramik, Arakawa, Kaneshige, Miwa und Nakazato, hervor, die alle mit dem Prädikat „Menschlicher Staatsschatz“ ausgezeichnet sind. Dieser Tradition folgen Künstler wie Ohi, Tsuji und Tanaka. Den Teekeramiken heutiger Künstler stehen gleichgewichtig modernste Tonplasiken (z. B. von Fukami, Matsumoto oder Akiyama) gegenüber wie auch neue, expressive Gefäßformen, wie sie bei Katsumata, Kobayashi oder Yagi zu finden sind. Die umfangreiche Präsentation dieses bei uns nur wenig wahrgenommenen Mediums soll einen weiteren Schritt zum Verständnis dieser uns oft so fremden wie auch anziehenden Kultur beitragen.

 

An der Ausstellung werden rund 20 Keramiker und 20 Fotografen teilnehmen.