ARCHIV
 

Art & Economy

1. März 2002 - 23. Juni 2002

Die Ausstellung „Art & Economy” war ein Kooperationsprojekt zwischen den Deichtorhallen Hamburg und dem Siemens Arts Program.

Kantine der Dresdner Bank AG, gestaltet von Tobias Rehberger

Die Ausstellung versteht sich als Beitrag zum aktuellen Diskurs über die Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Wirtschaft. Thematisch setzt sie auf der einen Seite bei der Aufmerksamkeit an, die zeitgenössische Künstler ökonomischen Prozessen und der Arbeitswelt entgegenbringen. Auf der anderen Seite widmet sie sich den Funktionsweisen und Argumenten, die sich in der Wirtschaft im Umgang mit der zeitgenössischen Kunst in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt haben. Erstmals kommen in „Art & Economy“ Kunst und Wirtschaft – von beiden Seiten diskutiert – als zwei sich traditionell voneinander abgrenzende Bereiche zusammen: 50 Werke von 36 internationalen Künstlern stehen neben einer umfangreichen Präsentation über die Bedeutung und Rolle der Kunst in Unternehmen.

 

Der Ausstellungsteil „Art Stories“ beschäftigt sich mit unterschiedlichen Bedeutungen und Funktionen, die Kunst für Unternehmen hat. Als Ergebnis einer aufwändigen Umfrage werden die von Wirtschaftsunternehmen eingereichten Kunstkonzepte und Dokumentationsmaterialien vorgestellt. In mehreren Filmen wird zu sehen sein, welchen „Ort“ die Kunst im Unternehmen einnimmt, d.h. wo und wie in Unternehmen Kunst präsent ist. Es soll ebenfalls gezeigt werden, wie in Printmedien mit Hilfe des symbolträchtigen Zeichencharakters von Kunst gezielt exklusive Produkte und Dienstleistungen beworben werden. Die Kunst als Symbol für Wertvolles, Einmaliges wird darüber hinaus auch anders eingesetzt: Seit langem gilt sie als Statussymbol für Manager, die sich vor Kunst porträtieren lassen. Ebenfalls interessiert die Wirtschaft auch der ökonomische Wert der Kunst. Hierzu thematisiert die Ausstellung die Darstellung des Marktwertes von Kunst in Wirtschaftsmagazinen.

 

Der Ausstellungsteil „Economic Turn“ verdeutlicht, dass Künstler sich im Rahmen einer gesellschaftlich relevanten Reflexion der Gegenwart sowohl mit dem Erscheinungsbild einer Wirtschaftsumwelt beschäftigen als auch auf den zunehmenden Einfluss der Wirtschaft auf soziokulturelle Entwicklungen reagieren. Ihre künstlerischen Strategien sind vielfältig: Sie setzen auf der realen und auch auf der symbolischen Ebene an, schaffen durch partizipatorische Modelle Zugänge zu Wirtschaftsthemen, machen die Funktionsweisen ökonomischer Paradigmen sichtbar oder beleuchten verstärkt die gesellschaftlichen und kulturellen Ausprägungen der Wirtschaft. Die künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema – unter anderem eine bewusste Eingliederung in wirtschaftliche Prozesse, die scheinbare Annahme von vorhandenen Systemen, die Aneignung von Werbestrategien – führt nicht zu einer Affirmation bestehender Verhältnisse, sondern zu Neuorientierung und Ambivalenz. Die Kunst versucht so, das wirtschaftliche System mit dessen eigenen Argumenten und Mitteln zu thematisieren und zu beleuchten.

Teilnehmende Künstler und Unternehmen / Wirtschaftsvisionen:

Accès Local mit Patrick Mathieu Conseil, bene büromöbel und haas & bernhard ohg, Wien; Manuela Barth/Barbara U. Schmidt mit Siemens AG Erlangen; Plamen Dejanoff mit Grundstücksgesellschaft Hackesche Markt 2–3 GbR; Liam Gillick mit muse; Eva Grubinger mit Deutsche Bank und Siemens AG; Swetlana Heger mit German Communication dbk AG, GFT Technologies AG, New York Industrie SpA, Noventa Vicentina, projects GmbH und Vitra Design; Daniel Pflumm mit NN; Peter Zimmermann mit mps mediaworks und der Korbmachermeisterin Susanne Tiemann.

Wirtschaftsvisionen

Auftakt der Ausstellung „Art & Economy“ bildete die Projektreihe Wirtschaftsvisionen, in der Künstler mit einem Wirtschaftsunternehmen ihrer Wahl eigens für die Ausstellung Kunstprojekte entwickeln.

Teilnehmende Künstler / Economic Turn:

Irène Athanassakis

Atelier van Lieshout

Bureau of Inverse Technology

Michael Clegg/Martin Guttmann

Claude Closky

Öyvind Fahlström

Harun Farocki

Hans-Peter Feldmann

General Idea

Andreas Gursky

Christian Jankowski

Bernhard Khoury

Andree Korpys/Markus Löffler

Matthieu Laurette

Louise Lawler

Martin Le Chevallier

Masato Nakamura

Kyong Park

Christopher Roth/Franz Stauffenberg

Joseph Sappler

Santiago Sierra

Zhou Tiehai

Zhuang Hui

Malika Ziouech

Dokumentation / Art Stories:

Kunstkonzepte von ca. 60 Unternehmen in Briefen, Publikationen, Filmen und Katalogen. Ausführlicher dargestellt werden Kunstprojekte u.a. der Unternehmen Adam Opel AG, AXA ART Versicherung AG, Bayer AG, BMW AG, British American Tobacco (Germany) GmbH, Caisse des dépots et consignations, Columbus Leasing GmbH, DaimlerChrysler AG, Deutsche Bank AG, DG Bank, Dresdner Bank AG, E.ON Energie AG, Generali Holding Vienna AG, Hapag Lloyd AG, Landesbank Hessen-Thüringen, Migros-Genossenschafts-Bund, Montblanc International GmbH, Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, Philip Morris GmbH, Renault s.a., RWE AG, Schweizerische National-Versicherungs-Gesellschaft, Sharp Electronics GmbH, Starkmann Limited, Adolf Würth GmbH & Co. KG, ZF Friedrichshafen AG

Ausstellungskonzeption:

Zdenek Felix, Beate Hentschel, Dirk Luckow

Katalog:

Zur Ausstellung erschien ein umfangreicher Katalog im Hatje Cantz Verlag mit Texten von internationalen Autoren (ISBN 3-7757-1126-0). Preis in der Ausstellung: 25.- Euro

Podiumsdiskussion am 29.05.02

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung von

NORDMETALL, Verband der Metall- und Elektro-Industrie e.V., Haus der Wirtschaft, Kapstadtring 10, 22297 Hamburg