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Mythos Mercedes - Von der Funktion zum Design

 

4. August - 14. Oktober 2001

 

Die Schau "Mythos Mercedes – Von der Funktion zum Design" setzt sich zum Ziel, einen spezifischen Aspekt der Designgeschichte des Autos anhand einer weltberühmten Automarke zu vermitteln. Vom 4. August bis 14. Oktober 2001 ist die Ausstellung als Gemeinschaftsproduktion der Deichtorhallen Hamburg und einer eigens geschaffenen Projektgruppe des Stuttgarter Unternehmens zu sehen. Der Umstand, daß der Produzent, DaimlerChrysler, aus eigenen Museumsbeständen mehrere unikate Modelle aus der Zeit 1928 – 1993 zur Verfügung gestellt hat, machte das Projekt erst möglich.

 

Das Auto stellt als das meistverbreitete Verkehrsmittel unserer Zeit nicht nur einen wesentlichen ökonomischen Faktor für viele Volkswirtschaften dar, sondern ist nach wie vor Gegenstand von Projektionen, Träumen und Mythen. Es ist ein Produkt, dessen äußere Erscheinung nicht minder bewertet wird wie dessen Nutzeffekt.

Bekanntlich werden 80 bis 85 Prozent aller Autos "über Design" verkauft, denn das Image und die äußere Erscheinungsform, wie weit sie auch von der Technologie und Aerodynamik bestimmt sein mag, stellen letztlich den entscheidenden Motivationsgrund für den Erwerb des Fahrzeuges dar. Das Ziel der Autohersteller ist es deshalb, nicht nur ein effizientes, sondern auch ein ansprechendes, einzigartiges und unverwechselbares Produkt auf den Markt zu bringen. Diesen Part übernehmen die Designer, deren Einfluß in der Automobilentwicklung stetig zugenommen hat.

Unbestreitbar ist die äußere Form des Autos zum Bestandteil der Designgeschichte der letzten 80 Jahre geworden. Deshalb soll auch eine Institution wie die Deichtorhallen, die sich programmatisch der Präsentation von Kunst, Fotografie, Architektur und Design der neueren Zeit widmet, einen Vorstoß in die Entwicklungsgeschichte des Autos wagen, um dieses breite Thema in dem besonderen Kontext eines "Museums auf Zeit" zur Diskussion zu stellen.

 

Die Ausstellung betrachtet das Design der ausgestellten Fahrzeuge von zwei unterschiedlichen Perspektiven: Zum einen werden für jedes Fahrzeug wesentliche Aspekte der gestalterischen Entwicklung beschrieben. So wird neben den formalen Besonderheiten deutlich, daß die Zahl unterschiedlichster Anforderungen an das Design bis heute ständig gewachsen ist - von den Anfängen, als formbegabte Konstrukteure auf die unmittelbaren Anforderungen reagierten, bis zur auch öffentlichen Würdigung der Designarbeit Anfang der 80er Jahre.

 

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das Fahrzeugexponat, das am eindrucksvollsten dokumentiert, wie sich der Wandel im Design vollzogen hat. Es ist gelungen, Exponate für die Ausstellung zu gewinnen, die sonst z. T. nicht zugänglich sind (z. B. die Karosserie des W25 Rekordwagens (1936), ein 300 SLR Coupé "Uhlenhaut SL", C111-2). Dreizehn Modelle angefangen bei einem SSK von 1929 über einen 300 SL Coupé Ralley Prototyp (W 194, 1952) bis hin zum 500 SL Roadster werden in der Ausstellung zu sehen sein.

 

Begleitet werden die Fahrzeuge von Texten und Fotos, die Design-Aspekte beleuchten, wie z. B. die Entwicklung der Aerodynamik, die Grundform des 300 SL, Gitterrohrrahmen und Flügeltür, Einfluß von Licht und Reflexion auf die Formgebung, die Mercedes Designphilosophie "Horizontale Homogenität" und "Vertikale Modell-Affinität".

 

Zum anderen versucht die Ausstellung den vielfältigen Beziehungen zwischen einem Design und seiner Zeit auf erzählerische Weise nachzuspüren. In einigen anekdotischen Begebenheiten spiegelt sich der besondere Charakter eines jeden Designs wider. Dabei steht die gestalterische Absicht der Entwerfer zuweilen in einem durchaus amüsanten Wechselspiel mit ihrer Wirkung.

So werden in der Ausstellung "Legenden" aus der Rennsport-Geschichte und von besessenen Sammlern, von prägenden Entwicklern und Designern erzählt.

Ergänzt wird die Schau durch einige Bilder von Andy Warhol-Auftragswerken zum Thema Automobildesign.

 

Katalog:

Es erscheint eine begleitende Publikation mit einem Vorwort von Zdenek Felix, Texten von Joseph Gallitzendörfer und Bazon Brock mit einem umfangreichen Abbildungsteil. Buchhandelsausgabe: Quantum Books, Ostfildern