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Filmprogramm

 

Paris als Filmstadt steht im Mittelpunkt des Filmfest Hamburg (29. September − 8. Oktober 2011) mit der diesjährigen Sektion „Eyes on PARIS – Paris im Film 1938 - 2007“. Eine Auswahl dieser Paris-Filme wird nach dem Filmfest begleitend zur Ausstellung zwischen Oktober 2011 und Januar 2012 in den Deichtorhallen gezeigt.

Mit der Eintrittskarte zur Ausstellung EYES ON PARIS können Sie kostenlos einen Film Ihrer Wahl aus dem Filmprogramm zur Ausstellung besuchen. Zu jedem Film wird es eine Einführung von Gerhard Fiedler, Verleger und Leiter der altonale, geben.


HOTEL DU NORD (OT: Hotel du Nord) FÄLLT AUS!
Donnerstag, 20. Oktober 2011, 19 Uhr Auditorium im Haus der Photographie




Ein heruntergekommenes Hotel im Paris Ende der 30er Jahre. Die Wirtschaft liegt am Boden, der Weltkrieg steht vor der Tür. Pierre und Renée quartieren sich im »Hotel du Nord« ein, um sich dort gemeinsam das Leben zu nehmen. Nachdem Pierre auf seine Geliebte geschossen hat, bereut er die Tat und stellt sich der Polizei. Renée überlebt dank der Hilfe eines Zuhälters, der sich prompt in die Verletzte verliebt. Doch seine Gefühle bleiben unerwidert: Reneé will auf Pierre warten, bis dieser aus dem Gefängnis entlassen wird. Der Film gilt als Schlüsselwerk des poetischen Realismus. Noch heute beeindruckt er besonders durch die wirklichkeitsnahe Beschreibung des proletarischen Paris.
 
Frankreich 1938, 92 Min., Regie: Marcel Carné. Drehbuch: Jean Aurenche, Henri Jeanson (nach einem Roman von Eugène Dabit). Darsteller: Annabella, Jean-Pierre Aumont, Louis Jouvet, Arletty. 

Marcel Carné (*1906; †1996) war der große Meister des französischen Kinos der 30er und 40er Jahre und einer der zentralen Vertreter des poetischen Realismus. »Die Kinder des Olymp« gilt immer noch als einer der besten Filme aller Zeiten.


DER TAG BRICHT AN (OT: Le jour se lève)
Der Film wird mit französischem Originalton ohne Untertitel gezeigt.
Donnerstag, 27. Oktober 2011, 19 Uhr Auditorium im Haus der Photographie




Kaum ein anderer Film liefert ein so genaues Stimmungsbild von Paris am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wie dieser. Ein Mann hat sich mit einer Schusswaffe in einem Mietshaus verbarrikadiert, das von der Polizei umstellt ist. Er heißt François und ist ein einfacher Arbeiter. In mehreren Rückblenden wird erzählt, was ihn in diese Lage brachte: François hat Valentin erschossen, einen Varietékünstler. Der, viel weltgewandter und charmanter als er, hatte ihm die Freundin ausgespannt. Jean Gabin spielt die Hauptrolle in diesem Drama, in der die Verzweiflung eines Einzelnen für die einer ganzen Gesellschaft steht.
 
Frankreich 1939, 86 Min., Regie: Marcel Carné. Drehbuch: Jacques Viot, Jacques Prévert. Darsteller: Jean Gabin, Jules Berry, Arletty, Jacqueline Laurent.


UNTER FALSCHEM VERDACHT (OT: Quai des Orfèvres)
Der Film wird im französischen Original mit englischen Untertiteln gezeigt
Donnerstag, 3. November 2011, 19 Uhr Auditorium im Haus der Photographie




Ein wohlhabender Filmproduzent wurde ermordet. Als Hauptverdächtiger sitzt ein junger Pianist in Haft. Doch ist er wirklich der Mörder? Inspektor Antoine hat daran seine Zweifel. Ihm fällt auf, dass der Pianist alles daran setzt, seine Frau, eine ehrgeizige Sängerin, zu entlasten. Hat sie vielleicht etwas mit der Sache zu tun? Der Film ist nicht nur ein äußerst spannender Krimi, sondern taucht auch ein in das nächtliche Paris der Nachtclubs und Varietés. Bei den Filmfestspielen in Venedig wurde er mit einem Goldenen Löwen für die beste Regie ausgezeichnet.
 
Frankreich 1947, 105 Min., Regie: Henri-Georges Clouzot. Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jean Ferry (nach einem Roman von Stanislas-André Steeman).
Darsteller: Louis Jouvet, Bernard Blier, Suzy Delair, Pierre Larquey.

Henri-Georges Clouzot (*1907; †1977) ist der wichtigste Vertreter des französischen Film Noir. Einen Welterfolg feierte er mit dem Thriller »Lohn der Angst«, für den er in Cannes 1953 die Goldene Palme erhielt.


FRENCH CAN CAN (OT: French Cancan)
Der Film wird in französischem Originalton ohne Untertitel gezeigt.
Donnerstag, 10. November 2011, 19 Uhr Auditorium im Haus der Photographie


 
Das Paris der »Belle Epoque«, ein Feuerwerk der Sinne, opulent und überschäumend: Das Dekor, die Kostüme und die spektakulären Tanz- und Gesangseinlagen sind die eigentlichen Hauptakteure in dieser Geschichte um den Varietédirektor Danglard und seine Tänzerinnen Lola und Mimi. Im Laufe des turbulenten Treibens wird nicht nur ein neuer Gesellschaftstanz erfunden – der »French Can Can« –, sondern auch das wohl berühmteste Varieté der Welt eröffnet: das Moulin Rouge. Und als wäre das noch nicht genug, ist ein Gigant des französischen Kinos in einer seiner ersten Rollen zu sehen: Michel Piccoli.
 
Frankreich 1954, 100 Min., Regie und Drehbuch: Jean Renoir. Darsteller: Jean Gabin, Françoise Arnoul, María Félix, Gianni Esposito. 

Jean Renoir (*1894; †1979), Sohn des Malers Pierre-Auguste Renoir, gilt als einer der Hauptvertreter des poetischen Realismus. Er erhielt 1975 den Oscar für sein Lebenswerk.


FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT (OT: Ascenseur pour l'échafaud)
Der Film wird in französischem Originalton mit Untertiteln gezeigt.
Donnerstag, 17. November 2011, 19 Uhr Auditorium im Haus der Photographie



 
Florence stiftet ihren Geliebten Julien an, ihren Ehemann umzubringen. Der perfekte Mord gelingt nur zum Teil: Um Spuren zu verwischen, kehrt Julien zum Tatort zurück und bleibt im Fahrstuhl stecken. Während Florence durch das nächtliche Paris streift und ihren Freund sucht, entwendet ein junges Pärchen Juliens Wagen und erschießt unter seiner Identität zwei Menschen. Der Mörder wird nun eines Mordes verdächtigt, den er gar nicht begangen hat. Louis Malles Erstlingswerk ist ein Klassiker des Film Noir und der Nouvelle Vague, in düster-poetisches Schwarz-Weiß getaucht und unterlegt vom wunderbaren Soundtrack Miles Davis'.
 
Frankreich 1958, 88 Min., Regie: Louis Malle. Drehbuch: Roger Nimier, Louis Malle (nach einem Roman von Noël Calef). Darsteller: Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Georges Poujouly, Yori Bertin, Jean Wall. 

Louis Malle (*1932; †1995) begann seine Karriere als Kameramann und Assistent des Tiefseeforschers Jacques Cousteau. Gleich sein Spielfilmdebüt »Fahrstuhl zum Schafott« (1957) machte ihn weltberühmt. Er wird zwar der Nouvelle Vague zugeordnet, war aber stets mehr Außenseiter, da seine Filme ohne theoretisches Programm auskamen.


ZAZIE (OT: Zazie dans le métro)
Der Film wird in französischem Originalton mit Untertiteln gezeigt.
Donnerstag, 24. November 2011, 19 Uhr Auditorium im Haus der Photographie



 
Weil sich ihre Mutter mit ihrem Liebhaber treffen will, wird die zwölfjährige Zazie für zwei Tage bei ihrem Onkel in Paris einquartiert. Die freut sich vor allem darauf, mit der Metro fahren zu können, aber die wird gerade bestreikt. Zazie lässt sich ihren Paris-Trip jedoch dadurch keineswegs vermiesen. Sie reißt aus und mischt sich ins Großstadtgetümmel. Der Film ist nicht nur ein hinreißendes Slapstickabenteur, sondern auch eine Sightseeingtour durch das Paris von 1960, von der Kirche Saint-Vincent-de-Paul am Gare de l'Est vorbei bis zum Eiffelturm und Place Pigalle.
 
Frankreich 1960, 89 Min., Regie: Louis Malle. Drehbuch: Louis Malle, Jean-Paul Rappeneau (nach dem Roman von Raymond Queneau). Darsteller: Catherine Demongeot, Philippe Noiret, Hubert Deschamps, Vittorio Caprioli.


EINE FATALE ENTSCHEIDUNG (OT: Le petit lieutenant)
Der Film wird in französischem Originalton mit Untertiteln gezeigt.
Donnerstag, 8. Dezember 2011, 19 Uhr Auditorium
im Haus der Photographie



Zwei sehr unterschiedliche Charaktere treffen in einem Pariser Kommissariat aufeinander: Antoine Derourère, der frisch von der Polizeischule in Le Havre kommt und sich auf spannende Fälle in der Hauptstadt freut. Und Caroline Vaudieu, eine erfahrene und allseits respektierte Kommissarin, die seit Jahren gegen ihre Alkoholsucht kämpft und gerade eine Entziehungskur hinter sich hat. Besser als erwartet findet das ungleiche Duo im Polizeialltag zusammen. Doch bei der
Untersuchung eines Mordes an einem Obdachlosen trifft es eine fatale Entscheidung. Um die Geschichte so realistisch wie möglich zu erzählen, begleitete Regisseur Beauvois im Vorfeld mehrere Monate lang einen echten Kommissar.
 
Frankreich 2005, 110 Min., Regie: Xavier Beauvois. Drehbuch: Xavier Beauvois, Guillaume Bréaud, Jean-Eric Troubat. Darsteller: Nathalie Baye, Jalil Lespert, Roschdy Zem, Antoine Chappey.
 
Xavier Beauvois (*1967) arbeitet als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor. Sein letzter Spielfilm »Von Menschen und Göttern« (2010) gewann den César als bester Film und war für den diesjährigen Oscar für den besten fremdsprachigen Film nominiert.
 
 
CHANSON DER LIEBE (OT: Les Chansons d'amour)
Der Film wird im französischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.
Donnerstag, 15. Dezember 2011, 19 Uhr Auditorium
im Haus der Photographie



Wann wurde das letzte Mal so herzzerreißend in einem Film gesungen und auf den Tischen getanzt? Das zehnte Arrondissement rund um die Place de la République ist der Schauplatz für dieses Filmmusical über die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Die Geschichte: Die Beziehung von Ismaël und Julie hat an Intensität verloren. Der Versuch, aus ihr eine Ménage à trois zu machen und Alice mit ins Boot zu holen, bringt mehr Probleme als den erhofften frischen Wind. Als Julie völlig unerwartet an Herzversagen stirbt, kommt das Beziehungsroulette neu in Fahrt. Regisseur
Christophe Honoré spielt in seinem Film bewusst mit Motiven aus dem Nouvelle Vague-Klassiker »Die Regenschirme von Cherbourg«.
 
Frankreich 2007, 95 Min., Regie: Christophe Honoré. Drehbuch: Christophe Honoré, Gaël Morel. Darsteller: Louis Garrel, Ludivine Sagnier, Clotilde Hesme, Grégoire Leprince-Ringuet, Chiara Mastroianni.
 
Christophe Honoré (*1970) arbeitete als Journalist u.a. für die »Cahiers du Cinéma«  und schrieb mehrere Jugendbücher. »Man at Bath« lief 2010 bei Filmfest Hamburg.