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ILYA KABAKOV − DER LESESAAL. BILDER, LEPORELLOS UND ZEICHNUNGEN


19. APRIL BIS 28. JULI 1996

 

Der 1933 in Dnepropetrovsk geborene Ilya Kabakov zählt neben Erik Bulatov und Ivan Tschuikov zu den profiliertesten russischen Künstlern der Gegenwart. Nach dem Studium an der Moskauer Kunstschule und der Grafischen Fakultät des Surikov-Instituts in Moskau widmet sich Kabakov als Mitglied der inoffiziellen Kunstszene zunächst der Malerei, Zeichnung und Buchillustration. Ende der 70er Jahre malt er Bilder mit dem Thema des "homo sovieticus" – plakative, auf den Stil des sozialistischen Realismus anspielende Darstellungen aus dem Alltag der russischen Gesellschaft. Text und Schrift spielen in diesen Bildern von Anfang an eine wichtige Rolle. Seit 1982 erweitert Kabakov den Radius seiner Arbeit von der Fläche zum Raum. In der Folge entstehen zahlreiche, raumfüllende "Installationen", zuerst in seinem Moskauer Atelier, später in Museen und Kunstinstituten im Ausland.

In den Deichtorhallen wird zum ersten Mal in Deutschland eine Retrospektive des malerischen, zeichnerischen und grafischen Werkes von Kabakov gezeigt. Doch wollte sich der meist in situ arbeitende Künstler nicht damit begnügen, seine Werke in der üblichen chronologischen Ordnung zu präsentieren, sondern er entwarf für die Retrospektive eine besondere Form: jene des "Lesesaals". Wie bei Kabakov nicht anders möglich, bezieht auch dieser Entwurf nicht nur die Exponate, Wände und den Raum ins Kalkül ein, sondern er stattet alle zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten mit spezifischen Möbeln und Gegenständen, die zu einem "Lesesaal" gehören, aus. Das Ganze vermittelt sich dem Betrachter etwa als Bild einer Bibliothek in der russischen Provinz, die seltsamerweise mit einer Bildergalerie kombiniert ist.

Der Lesesaal umfasst ca. 120 Bilder, Zeichnungen, Leporellos und Alben aus den Jahren 1956-1996.

Es erscheint eine Publikation mit Texten des Künstlers.