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MAGNUM – 50 JAHRE FOTOGRAFIE


31. MAI BIS 1. SEPTEMBER 1996


Im April 1947 findet im Restaurant des Museum of Modern Art in New York die erste Versammlung von MAGNUM statt. Die Gründungsmitglieder Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, George Rodger, David Seymour (Chim), Maria Eisner und William und Rita Vandivert möchten eine neue Form von Foto-Agenturgenossenschaft gründen: die Fotografen wären die Eigentümer ihrer Negative, sie würden die Rechte an den Motiven bei der Verbreitung ihrer Bilder besitzen und in gänzlicher Unabhängigkeit arbeiten können.
Die Gründer waren alte Freunde und hatten seit den 30er Jahren Reportagen durchgeführt, die schon durch ihre Vielseitigkeit eine neue Ethik bewiesen, wie zum Beispiel die Aufnahmen der "Front populaire" von David Seymour, die des Spanischen Bürgerkrieges von Robert Capa und die der ersten Reisen von Henri Cartier-Bresson nach Spanien und nach Mexiko.

Die in den Zeitschriften und Büchern oft abgebildeten Fotografien aus dem 2. Weltkrieg – die Aufnahmen von der Landung in der Normandie von Robert Capa oder die der Öffnung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen von George Rodger, sind legendär geworden. Am Anfang durchstreiften und erforschten die Fotografen von MAGNUM die Welt jenseits der europäischen Grenzen, sie bevorzugten Hintergrundsreportagen und vermieden jeglichen Sensationseffekt. Henri Cartier-Bresson kam in den späten 40er Jahren in China an und hielt sich zum Zeitpunkt der Ermordung Gandhis in Indien auf. George Rodger reiste nach Afrika, Robert Capa 1947 zusammen mit John Steinbeck in die UdSSR, Werner Bischof ging nach Japan und Indochina und David Seymour in den Mittleren Orient.

Seit den frühen 50er Jahren schlossen sich viele Generationen aller Nationalitäten MAGNUM an: Werner Bischof, Eve Arnold, Cornell Capa, Elliott Erwitt, Burt Glinn, Ernst Haas, Erich Hartmann, Erich Lessing, Inge Morath, Marc Riboud, Dennis Stock, René Burri und Bruce Davidson. Andere, wie zum Beispiel W. Eugene Smith und Kryn Taconis blieben nur kurze Zeit bei der Agentur. Die 50er Jahre sind jedoch auch von zwei Tragödien gekennzeichnet: im Zeitraum einer Woche verunglückte Werner Bischof im Mai 1954 in Peru und Robert Capa wird von einer Mine in Indochina zerrissen. Zwei Jahre später wird David Seymour während der Krise am Suezkanal von einer Kugel getroffen. MAGNUM als Gruppe hat den Horizont ihrer Geschichte überschritten. Das Ausstellungsereignis "The Family of Man", das 1955 von Edward Steichen im Museum of Modern Art organisiert wurde und eine Vielzahl von Magnumfotografien beinhaltete, ist eine einschlägige Demonstration der Kraft und Sachlichkeit der Optik von MAGNUM.

Als Agentur blieb MAGNUM nach 1955 bestehen und zog im Laufe der Zeit zahlreiche Fotografen wie Leonard Freed, Mark Godfrey, Josef Koudelka oder Alex Webb an. Die Ausstellung zeigt anhand von 228 schwarz-weiß und 47 Farbaufnahmen der wichtigsten Autoren von MAGNUM ausgewählte Beispiele des internationalen Bildjournalismus der vergangenen fünf Jahrzehnte.


Beteiligte Fotografen und Fotografinnen:

Abbas    Sergio Larrain
Eve Arnold    Guy Le Querrec
Micha Bar-Am    Erich Lessing
Bruno Barbey    Steve McCurry
Werner Bischof    Constantine Manos
Brian Brake    Mary Ellen Mark
René Burri    Peter Marlow
Cornell Capa    Susan Meiselas
Robert Capa    Wayne Miller
Henri Cartier-Bresson    Inge Morath
Bruce Davidson    Jim Nachtwey
Raymond Depardon    Michael Nichols
Elliott Erwitt    Gilles Peress
Martine Franck    Raghu Rai
Stuart Franklin    Eli Reed
Leonard Freed    Marc Riboud
Paul Fusco    Eugene Richards
Jean Gaumy    Miguel Rio Branco
Burt Glinn    George Rodger
Mark Godfrey    Sebastiao Salgado
Harra Gruyaert    Fernandino Scianna
Ernst Haas    David "Chim" Seymour
Hiroshi Hamaya    Marilyn Silverstone
Charles Harbutt    W. Eugene Smith
Erich Hartmann    Chris Steele-Perkins
Thomas Hòpker    Dennis Stock
David Hum    Kryn Taconis
Richard Kalvar    Burk Uzzle
Josef Koudelka    Alex Webb
Hiroji Kubota    Patrick Zachmann