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HANNE DARBOVEN – HOMMAGE A PICASSO (1995-96)


19. NOVEMBER 1999 BIS 27. FEBRUAR 2000



Hanne Darboven (geb. 1941) zählt zu den international bedeutendsten Vertretern der sogenannten Konzeptkunst. Wie die jetzige Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, die dem "Frühwerk" der Künstlerin gewidmet ist, anschaulich beweist, fand Hanne Darboven bereits 1968-69 Aufnahme in den Kreis der New Yorker "Minimalisten" und "Konzeptualisten". Besonders Sol LeWitt wusste ihre radikale Abkehr von der "retinalen" Kunst zu schätzen und setzte sich für ihre Arbeit ein.

Darbovens weltweiter Ruf fußt auf einer immensen "Schreibarbeit", mit der sie seit Ende der 60er Jahre zunächst in Einzelwerken, später in umfangreichen thematischen Blöcken die Systematisierung und somit auch Visualisierung zeitlicher Abläufe betreibt. Als Grundlage für ihre Werke dienen Hanne Darboven meist DIN-A4-Blätter, die einzeln oder in Gruppen gerahmt, gleichsam die rhythmisierende und normierende Funktion übernehmen. Zum tragenden Element ihrer künstlerischen Strategie ist für Hanne Darboven die Zahl geworden: "Ich benutze Zahlen, weil das ein Weg ist zu schreiben, ohne zu beschreiben". Mit Hilfe dieser elementaren "Bausteine" und deren Kombinationen bzw. Systematisierung sowie mit Hilfe des spezifischen Bildmaterials (Postkarten, Drucke, Reproduktionen, Fotos, etc.) ist es Hanne Darboven gelungen, ein vielschichtiges kulturhistorisches Szenario unseres Jahrhunderts zu entwerfen und zu realisieren.

Die umfangreiche Werkgruppe "Hommage à Picasso" wird in den Deichtorhallen zum ersten Mal ausgestellt. Die Gruppe besteht aus 270 gerahmten Tafeln, in welchen jeweils 36 Blätter Pergament-Papier mit Notaten zusammengefasst sind. Geschrieben wurden die Notate in den Jahren 1995-96; der Zeitraum umfasst das Jahrzehnt 1990-99. Die ersten 120 Rahmen á 12 Monate werden in Zahlen horizontal geschrieben. Weitere 60 Rahmen umfassen, vertikal geschrieben, je 2 Monate pro Rahmen. Die nächste Version umfasst ebenfalls 60 Rahmen mit jeweils 2 in Worten ausgeschriebenen Monaten. Schließlich die letzte Version in 30 Rahmen repräsentiert jeweils 4 in Worten ausgeschriebene Monate.

Ergänzt wird das Geschriebene durch "picassoide", handbemalte Holzrahmen, die sich an dem Gemälde "Sitzende in türkischer Tracht", 1955 von Pablo Picasso inspirieren. Eine Gruppe von plastischen Arbeiten steht für den kulturhistorischen Zusammenhang des Werkes: Picasso-Büste im Auftrag von Hanne Darboven (Autorin: Inge Polinice), Bronze und Holz, Höhe: 159,5 cm; Mannequin, Höhe: 175 cm; Ziege in Bronze (Autor: Wolfgang Wieland), auf einem Tisch mit Kerze, Säule und Papagei; 2 Türme mit jeweils 6 Tierkreiszeichen a la Picasso (Autor: Meta Morfosi); 3 Esel, eine Familie aus Holz mit Birkenreisig umwickelt (Volkskunst aus Polen).