Zentrum für visuelle Medien

Foto: Jewgeni Roppel

Vernetzte digitale Bildwelten bilden gesellschaftliche Wirklichkeiten nicht nur ab oder interpretieren sie, sondern entwerfen sie. Demokratische vernetzte Gesellschaften werden daher zunehmend auch an den Fähigkeiten ihrer Bürger*innen gemessen werden müssen, online verfügbare visuelle Informationen kritisch zu lesen. Dazu gehören das Entschlüsseln und der bewusste Einsatz der Sprachen digitaler Bilder, das Verständnis der  technischen und algorithmischen Strukturen hinter ihrer Produktion und Verbreitung sowie das aktive Hinterfragen und Mitgestalten ihrer gesellschaftlichen Wirkungen.

Das Bild- und Medienkompetenz Programm des HAUS DER PHOTOGRAPHIE, gefördert durch die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, setzt genau hier an: Es entsteht ein sukzessiv wachsender physischer wie digitaler Raum zur Stärkung von Bild-, Informations- und Medienkompetenz. Im Mittelpunkt steht die kritische Auseinandersetzung mit visuellen Medien: genaues Betrachten, kritisches Einordnen und offenes Diskutieren. Gleichzeitig wird der Austausch zwischen Bildung, Forschung, Lehre und künstlerischer Praxis gestärkt.

DISKURS- UND FORSCHUNGSFELDER

Das Zentrum für Visuelle Medien reagiert auf zentrale gesellschaftliche und mediale Transformationsprozesse der Gegenwart: globale Tendenzen zur Vereinzelung und das Fehlen eines gemeinsamen Wir-Gefühls, der Verlust geteilter Wirklichkeitsannahmen, die Vermischung von Meinung und Tatsache, die beschleunigte und reaktive Dynamik digitaler Öffentlichkeiten sowie Soziale Medien als Bühnen und Verstärker antidemokratischer und polarisierender Ideologien.

Die folgenden Forschungs- und Diskursfelder dienen als Ausgangspunkt für die inhaltlichen und praktischen Tätigkeiten des Zentrums:

  • Bild und Wirklichkeit 
    Wie lässt sich der bildkulturelle Wandel von der Vorstellung fotografischer »Bildevidenz« hin zu »Bildern unter Verdacht« seit dem 20. Jahrhundert bis heute historisch nachzeichnen und methodisch begleiten? Welche Rolle spielt das fotografisch rezipierte Bild im Kontext von Desinformation, sogenannten »Fake News« und Propaganda?
  • Plattformen, algorithmische Sichtbarkeit und Zensur 
    Wie werden fotografische Bilder heute sichtbar? Nach welchen Kriterien priorisieren algorithmische Systeme Bilder? Und inwiefern prägen sie den Zugang zu oder Ausschluss von Informationen? Welche Bilder werden heute zensiert und nach welchen Kriterien?
Foto: Jewgeni Roppel

DIGITALE PLATTFORM FÜR BILD- UND MEDIENKOMPETENZEN

Die Bildungsangebote und Veröffentlichungen des Zentrums verfügen über einen eigenen digitalen Forschungs- und Bildungsraum. Diese aktuell entstehende Plattform wird ein Glossar, Essays, Tutorials und Videobeiträgen, eine umfassende Bilddatenbank zu digitalen Bildkulturen sowie freie Lehr- und Arbeitsmaterialien bereitstellen. Innovative Visualisierungs- und Kollaborationstools ermöglichen neue Formen der kreativen wie analytischen Arbeit und erweitern das Zentrum um einen virtuellen Raum, der seine Reichweite weit über den physischen Standort hinausträgt. 

AUSSTELLUNGSREIHE UND BILDUNGSPROGRAMM »VIRAL HALLUCINATIONS«

Das Programm des Zentrums baut inhaltlich auf der Ausstellungsreihe VIRAL HALLUCINATIONS auf und wird durch eigene Jahresthemen ergänzt. Ausgehend von der Reihe wird bereits seit 2024 ein Bildungsprogramm zur Bild-, Informations- und Medienkompetenzen entwickelt, dessen zentrale Bestandteile die Booklets VIRAL HALLUCINATIONS sowie die kostenlose Workshopreihe AGENCY IN MEDIA sind.

WORKSHOPREIHE »AGENCY IN MEDIA«

Im Alltag findet Medienkonsum häufig isoliert statt – es fehlen Zeit, Aufmerksamkeit und dialogische Räume, um visuelle Inhalte zu kontextualisieren und Methodiken für die kritische Analyse von Medieninhalten zu erlernen. 

Unsere kostenlosen Workshops für diverse Zielgruppen und besonders für junge Menschen fördern einen souveränen, kritischen und selbstbestimmten Umgang mit Bildern, Informationen und digitalen Medien.

In den verschiedenen kostenfreien Workshops widmen sich die Teilnehmenden aktuellen visuellen Phänomenen – von Bildstrategien im Kontext von Verschwörungserzählungen und Desinformation bis hin zu Körperbildern und Protestkulturen unter algorithmischen Bedingungen auf Sozialen Plattformen.

Bildstrategien verschwörungs­theoretischer Erzählungen erkennen

Der Workshop stärkt individuelle Bild- und Medienkompetenzen und hilft dabei ein kritisches Bewusstsein für die Mechanismen hinter Verschwörungstheorien zu entwickeln.

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Bildstrategien verschwörungs­theoretischer Erzählungen erkennen

KÖRPERBILDER IN BEWEGUNG

Auf Plattformen wie TikTok oder Instagram tauchen auf unseren Smartphones ständig unzählige Bilder und Videos mit kreativen Inhalten auf – gleichzeitig öffnen diese einen Raum für problematische Bildsprachen.

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KÖRPERBILDER IN BEWEGUNG

VON DER BEOBACHTUNG ZUR AKTION: VERNETZTE PROTESTKULTUREN AUF SOZIALEN PLATTFORMEN

Auf sozialen Plattformen sind Protestkulturen häufig mit bestimmten Bildern, Symbolen oder Codes zur politischen Mobilisierung und Kommunikation verbunden, die Emotionen und Gefühle von Verbundenheit und Solidarität wecken und Sichtbarkeit schaffen. 

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VON DER BEOBACHTUNG ZUR AKTION: VERNETZTE PROTESTKULTUREN AUF SOZIALEN PLATTFORMEN

BOOKLETS

Foto: Jewgeni Roppel

Die Booklets zeichnen anhand zentraler Begriffe, visueller Fallstudien und Essays eine tiefgreifende Zäsur im Verhältnis von Welt, Bild und Mensch nach. Im Mittelpunkt steht dabei eine Perspektivverschiebung: weg von der Frage, wie Bilder produziert werden, hin zu der Frage, wie sie zirkulieren und welche Wirkungen sie entfalten.

Jedes Booklet enthält zudem das kontinuierlich wachsende Glossar VIRAL HALLUCINATIONS, das inzwischen mehr als 85 Begriffe umfasst. Es bietet eine systematische Annäherung an diese Transformationsprozesse und stellt Jugendlichen wie Erwachsenen Werkzeuge für ein eigenständiges, kritisches Sehen zur Verfügung.

VIRAL HALLUCINATIONS – AGENCY IN MEDIA (2024) 
Zum Download

VIRAL HALLUCINATIONS – KÖRPERBILDER IN BEWEGUNG (2025)
Zum Download

VIRAL HALLUCINATIONS – VERNETZTE PROTESTKULTUREN UND VIRALE MOBILISIERUNG (2026)
Zum Download

Aktuelle Essays

Sheung Yiu, Twisted Face, 2023 © Sheung Yiu

Facial Linguistics: What Your Faces Tell About You and How We Talk About Faces

Essay by Sheung Yiu

Modern facial recognition systems are supercharged by machine learning, a process where neural networks ›learn‹ from massive training datasets like ImageNet. But ›learning‹ is a deceptive metaphor, anthropomorphizing a mathematical process. Machine learning entails different algorithms adjusting the weights of interconnected neurons, forcing the network’s output to mirror patterns in the input data. As we gaze into the digital mirror, our faces framed by labeled bounding boxes, we are confronted with the question: Do we want to be classified by a machine, which not only reduces us to simplistic categories but also subjects us to the unexplainability of black box algorithms?

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SYMPOSIEN, NETZWERK UND KOOPERATIONEN

Neben Ausstellungen wird das Zentrum in Kooperation mit einem breiten Netzwerk von Expert*innen aus Kunst und Wissenschaft Workshops, Symposien, Vorträge und Gesprächsformate realisieren. Darüber hinaus entstehen maßgeschneiderte, innovative Bildungsprogramme und zeitgemäße Lernmaterialien. Enge Partnerschaften mit Schulen und Hochschulen verankern das Zentrum nachhaltig in der Hamburger Stadtgesellschaft und stärken den Wissenstransfer zwischen akademischer Forschung, künstlerischer Praxis und öffentlicher Debatte.

Leitung: Nadine Isabelle Henrich
Wissenschaftliche Mitarbeit: Mona Behfeld
Projektmanagement Plattform: Priska Dolling

Das Zentrum für visuelle Medien entsteht in Kooperation mit der  ZEIT STIFTUNG BUCERIUS: