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HOME SWEET HOME – EINRICHTUNGEN I INTERIEURS I MÖBEL


20. JUNI BIS 28. SEPTEMBER 1997


Interieurs, die der Arbeit, dem Wohnen oder der Repräsentation dienen, sind in diesem Jahrhundert nicht nur von Architekten sondern vermehrt auch von Künstlern zum Anlass der Auseinandersetzung mit Formen und Möglichkeiten der Innengestaltung genommen worden. Beginnend mit den Entwürfen der holländischen Gruppe de Stijl bis zum Design der 90er Jahre lässt sich eine Kontroverse zwischen den "funktionalistischen" und "dekorativen" Standpunkten verfolgen. Seit den 60er Jahren setzen sich individuelle, stilistisch unabhängige Lösungen durch. Den Innenarchitekten stehen Künstler gegenüber, deren Entwürfe sich der Funktionalität gar widersetzen. Im berühmten "Bedroom Ensemble", 1963 von Claes Oldenburg wird eine dreidimensionale Projektion eines standardisierten Hotelzimmers geliefert, die sich wie ein ironischer Kommentar zur herkömmlichen amerikanischen Wohnkultur ausnimmt.

1969 schuf James Rosenquist sein "Horizon Home Sweet Home", ein Interieur, dessen Wände aus farbigen, teilweise kunststoffbeschichteten Paneelen bestehen, während der Boden mit künstlichem Nebel bedeckt wird. An diese Entwürfe knüpft die Ausstellung "Home Sweet Home" an. Es geht in der Hauptsache darum, zu zeigen, wie die heutige Kunst auf die jetzige Situation reagiert, in der es kaum Unterscheidungen zwischen dem sogenannten angewandten Schaffen (Design) und der sogenannten Hochkultur (Objekte für Galerien, Museen, Sammlungen etc.) gibt. Fragen nach dem Kontext werden dabei ebenso virulent wie jene nach der Funktion von künstlerischen Artefakten und Vorgehensweisen. Nicht zuletzt werden in den von Künstlern entworfenen Interieurs wesentliche Fragen nach der Beziehung von Künstler und Betrachter gestellt. Unterschiedliche Bedingungen und Blickwinkel können die Bedeutung und den Sinn, der zum größten Teil funktionellen Objekte und Einrichtungen, grundsätzlich verändern.

Die Ausstellung in den Deichtorhallen zeigt Interieurs, Einrichtungen und Möbel von 21 europäischen und amerikanischen Künstlern und Künstlerinnen, die sich mit diesem Gegenstand seit längerer Zeit beschäftigen. Von den Vertretern der amerikanischen Pop-Art wie Roy Lichtenstein und James Rosenquist bis zu den Repräsentanten der jüngsten Generation wie Tobias Rehberger und Renée Green umfasst die Ausstellung eine Auswahl der bedeutendsten Beiträge zum gegebenen Thema. Zahlreiche Entwürfe sind von den Teilnehmern eigens für die Hamburger Schau entworfen worden, so die Interieurs von Andreas Schulze, Jorge Pardo, Werner Büttner oder John M Armleder. Die Schweizer Künstlerin Sylvie Fleury schuf eine eigenwillige Rekonstruktion von Oldenburgs "Bedroom Ensemble". Von dem frühzeitig verstorbenen Künstler Martin Kippenberger stammt der Raum mit "Lagerfeuer", eine seiner letzten authentischen Arbeiten. Mit neuen Entwürfen sind vertreten der amerikanische Künstler Dan Peterman sowie die tschechische Künstlerin Katerina Vincourova.

Aber auch Fotografie wird als Medium eingesetzt, um dem Phänomen "vertrautes Heim" nachzuspüren. Die beiden Engländer, die Fotografin Sam Taylor-Wood und der umstrittene Fotograf Richard Billingham fügen dem Thema der "Wohnlichkeit" und "Häuslichkeit" spezifische sozialkritische Aspekte bei. Da die meisten Installationen vor Ort entstehen und erst nach Fertigstellung fotografiert werden können, wird die begleitende Publikation nicht wie üblich zur Eröffnung sondern erst im Laufe der Ausstellung fertiggestellt.


Künstlerinnen und Künstler:

Kai Althoff. Deutschland
John M Armleder, Schweiz
Cosima von Bonin, Deutschland
Richard Billingham, England
Werner Büttner, Deutschland
Sylvie Fleury, Schweiz
Renee Green, USA
Thomas Grünfeld, Deutschland
Mike Kelley, USA
Martin Kippenberger, Deutschland
Rov Lichtenstein, USA
Regina Möller, Deutschland
Jorge Pardo, Kuba/USA
Dan Peterman, USA
Tobias Rehberger, Deutschland
James Rosenquist, USA
Andreas Schulze, Deutschland
Sam Taylor-Wood, England
Katerina Vincourova, Tschechien
Franz West, Osterreich
Joseph Zehrer, Deutschland