Digitales Symposium

Das Werk von William Kentridge:
Zwischen Magie und politischem Diskurs

Online

Begleitend zur Ausstellung WHY SHOULD I HESITATE: PUTTING DRAWINGS TO WORK von William Kentridge präsentieren die Deichtorhallen Hamburg ein digitales Symposium mit folgenden Themen: Die Bedeutung und der Einfluss William Kentridges auf Künstler*innen heute, Post-Kolonialismus und Erinnerungskultur, das Wandelbare und die Melancholie sowie die treibende Kraft der Musik im Werk von Kentridge. Eine Führung durch die Kentridge-Ausstellung in den Deichtorhallen und ein Studiobesuch bei William Kentridge in Johannesburg sind ebenfalls Teil der Veranstaltung (in deutscher und englischer Sprache).

Moderation des Symposiums (in deutsch und englisch)
Dirk Luckow, Intendant, Deichtorhallen Hamburg
Annette Sievert, Ausstellungsmanagerin, Deichtorhallen Hamburg

PROGRAMM

BEGRÜSSUNG 00:00:28
Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, Hamburg (deutsch)
Andreas Görgen, Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation, Auswärtiges Amt, Berlin (deutsch)
Koyo Kouoh, Direktorin & Chefkuratorin, Zeitz MOCAA, Kapstadt (englisch)
Dirk Luckow, Intendant, Deichtorhallen Hamburg (deutsch)


PANEL I (englisch) 00:26:50
Über die Bedeutung des Politischen im Werk von William Kentridge

Tammy Langtry, Kuratorin, Zeitz MOCAA, Kapstadt
Robin Rhode, Künstler, Berlin
Lerato Shadi, Künstlerin, Berlin

Statement 01:31:03
Lindeka Qampi, Autorin, Fotografin und Aktivistin, Khayelitsha, Kapstadt

Moderation

Will Furtado, stellvertretender Chefredakteur von »Contemporary And«, Berlin

Als einer der weltweit bedeutendsten zeitgenössischen bildenden Künstler visualisiert der Theater- und Opernregisseur William Kentridge in seinen Arbeiten seit über 40 Jahren die soziokulturellen Auswirkungen von Postkolonialismus und Apartheid aus der Perspektive seines Heimatlandes. Kentridge setzt sich mit Themen wie sozialer Ungerechtigkeit, der Geschichte Südafrikas, Kolonialismus, Familie, Flucht und Vertreibung in unterschiedlichsten Medien auseinander. Am Anfang seiner künstlerischen Praxis steht jedoch immer die Zeichnung, die das Hauptmedium und der Schwerpunkt der Ausstellung ist. In seinem Werk setzt sich Kentridge konsequent mit historischen, politischen und aktuellen gesellschaftlichen Themen auseinander.

Im ersten Panel des Symposiums wird diskutiert, wie Kentridge diese Auseinandersetzung mit politischen Themen künstlerisch darstellt. Außerdem wird diskutiert, inwieweit Kentridges Œuvre für eine jüngere Generation an Künstler*innen sowie für die eigene künstlerische Praxis der Panel-Teilnehmer*innen prägend ist.

FÜHRUNG DURCH DIE AUSSTELLUNG (deutsch) 01:34:07
WILLIAM KENTRIDGE – WHY SHOULD I HESITATE: PUTTING DRAWINGS TO WORK

In diesem digitalen Rundgang durch die Ausstellung WHY SHOULD I HESITATE: PUTTING DRAWINGS TO WORK erläutert die Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin Stefanie Reimers das Konzept, den Ausstellungsparcours und die vielfältigen Aspekte des Werks von William Kentridge, die in der Deichtorhallen-Schau vertreten sind.


PANEL II (englisch) 01:57:08
Über die Chance, koloniale Kontinuitäten zu überwinden

Keynotes von:

Georges Adéagbo, Künstler, Cotonou und Hamburg (Übersetzung: Stephan Köhler)
Nina Möntmann, Professorin für Kunsttheorie, Universität zu Köln
Nadja Ofuatey-Alazard, Journalistin, Dekoloniale, Berlin
Barbara Plankensteiner, Direktorin, MARKK, Hamburg
Nick Shepherd, Professor für Archäologie und Heritage Studies, Universität Aarhus

Moderation

Ciraj Rassool, Senior Professor für Geschichte an der Universität des Westkaps, Kapstadt

Die drängenden Themen der Dekolonisierung, der Transformation des kulturellen Erbes und des Rufs nach sozialer Gerechtigkeit stellen die Kulturproduktion weltweit vor neue Herausforderungen. Das Museum mit seinen imperialen Wurzeln als Projekt der Aufklärung in Europa scheint überholt und steht heute einer globalisierten Gegenwart gegenüber, in der antirassistische, politische und sozialen Bewegungen, wie #BlackLivesMatter, #MeToo, und #RhodesMustFall eine gesamtgesellschaftliche Dynamik entfacht haben.
Fragen der Dekolonisierung von Kulturinstitutionen sind ins Zentrum politischer Diskurse gerückt. Provenienzforschung von Objekten aus kolonialen Kontexten und Restitution stellen europäisch-afrikanischen Museumskooperation vor komplexe Herausforderungen.

Welche Möglichkeiten ergeben sich aus diesen Entwicklungen für die Bereiche der internationalen zeitgenössischen Kunst und kuratorischen Praxis? Wie können Kulturinstitutionen praxisbasierte Arbeit in einer Weise entwickeln und organisieren, die einen dynamischen Austausch mit der Zivilgesellschaft bilden? Fünf wichtige Protagonist*innen dieses Diskurses aus afrikanischen und europäischen Kontexten wurden gebeten, ein Statement zu diesen Fragen abzugeben und ihre Arbeit innerhalb dieses Feldes vorzustellen.

VORTRAG (deutsch) 03:05:56
Wandelbarkeit und Melancholie – Über synchronisierte und verschobene Geschichtsbilder im Werk von William Kentridge

In ihrem Vortrag geht die Kunsthistorikerin Angela Breidbach der Frage nach, wie Geschichte und Politik in dieser Ausstellung von William Kentridge dargestellt werden. Ein großes Thema in seinem Werk sind Bilder der Migration, die in Form von Holzschnitten, auf Wandteppichen, in filmischen Aufzügen von Schattenfiguren erscheinen. Mit den Prozessionen machen sich die Bilder selbst auf den Weg, entfalten Bedeutungen aus ihrem Material und der körperlichen Performance. Flüchtige Bildwelten kommen über mediale Grenzen hinweg scheinbar zufällig zusammen. Sie verbinden sich und treten in Widerstand zueinander. Die Bildräume sind keine neutralen Behälter, sondern, so Angela Breidbachs These, dialektisch, wenn sie – in widersprüchlichen Zwillingsfiguren – dem Fremden, Anderen, in sich Raum verschaffen.

Angela Breidbach forschte und habilitierte 2016 zum Thema des Schattens im Werk von William Kentridge, Hans-Peter Feldmann und Winfried Georg Sebald. Breidbach unterrichtet Kunst und Philosophie in Hamburg und lehrt an der Leuphana Universität Lüneburg. Seit ihrem 2004 publizierten Buch Thinking Aloud mit William Kentridge publiziert und forscht Angela Breidbach intensiv über den südafrikanischen Künstler.


PANEL III (englisch) 03:40:51
Über die Wechselbeziehung von Musik und bildender Kunst im Werk von William Kentridge

Georges Delnon, Intendant der Staatsoper Hamburg
Markus Hinterhäuser, Leiter Salzburger Festspiele
William Kentridge, Künstler, Johannesburg
Philip Miller, Komponist, Kapstadt

Moderation

Melanie von Bismarck, freie Journalistin, Hamburg

In William Kentridges Werk versammeln sich viele unterschiedliche künstlerische Disziplinen: bildende Künste mit Zeichnung, Film, Animation oder Skulptur, darstellende Künste wie Tanz, Musik oder Theater und die literarischen Künste. Musik spielt eine zentrale Rolle im Zusammenspiel der Kunstformen, die in Animationsfilmen, in Konzerten, in Performance-Vorträgen, in seinen Operninszenierungen oder in Multimedia-Installationen stattfinden.

In einigen von Kentridges Arbeiten wird das Verhältnis von Ton und Bild zum expliziten Gegenstand seiner künstlerischen Reflexionen. Dies ist auch im von Philip Miller komponierten Film- und Liederzyklus Paper Music der Fall. Neben Paper Music werden William Kentridges Operninszenierungen von Alban Bergs Lulu und Wozzeck sowie Franz Schuberts Liederzyklus Winterreise thematisiert.


STUDIO TOUR
WILLIAM KENTRIDGE (englisch) 05:09:29
William Kentridge lädt zu einem Atelierbesuch in sein Studio in Johannesburg ein und zeigt, wo sein variantenreiches, multimediales Werk entsteht. Er berichtet über die vielen verschiedenen Aspekte und Felder seiner Arbeit und gewährt Einblicke in den Produktionsprozess.

Gefördert vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland


IMPRESSUM

Konzeption

Dirk Luckow, Annette Sievert, Cosima Grosser

Organisation

Cosima Grosser, Annette Sievert

Mitarbeit

Barbara Kolb, Sila Sciammarella, Sabine Seidel

Recherche

Linda Epp, Cosima Grosser

Beratung

Stephan Köhler, Matthias Schönebäumer

Redaktion

Cosima Grosser, Dominik Nürenberg, Annette Sievert

Technische Umsetzung

Dominik Nürenberg

Künstlerische Produktion

Amin Motallebzadeh


Copyright

Video: © Deichtorhallen Hamburg 2021
Für alle Werke von William Kentridge:
© William Kentridge