Foto: Julia Steinigeweg

»Mir geht es um die Freaks«

Harald Falckenberg ist einer der wichtigsten Kunstsammler weltweit. In diesen Tagen feiert seine Sammlung in Harburg ihr 25-jähriges Bestehen mit einer großen Jubiläumsausstellung. Ein kurzes Gespräch über Mainstream, den Kunstmarkt und warum es keinen Grund zur Resignation gibt.

28. November 2019

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Es gibt vieles, was Harald Falckenberg umtreibt und aufregt in Zeiten von Twitter und klimaneutralen Kraftstoffen, aber eben auch das Kunstsammeln seit 25 Jahren alternativen Verhaltens. Sein Terminkalender kennt kaum Lücken: Zwischen den Vorbereitungen für die Ausstellung INSTALLATIONEN AUS 25 JAHREN SAMMLUNG FALCKENBERG, seinem Engagement für den Kunstverein Hamburg und vielen anderen Aktivitäten findet er noch Zeit für ein Gespräch.

Ihr Kommentar zur Jubiläumsausstellung, die in diesen Tagen eröffnet?
Lassen Sie sich überraschen. Es geht um die Kunst der Counter Culture rebellischer Jugend gegen die Welt der Väter ab der 60er Jahre. Kritisch, ironisch, auch schon zynisch.

Wieso so viele große Installationen?

1994 habe ich angefangen, Kunst zu sammeln. Der internationale Markt war am Boden. Ich war zu der Zeit einer der wenigen Käufer. Künstler mussten großformatige spektakuläre Kunstwerke für die Biennalen und Triennale liefern, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nach den Events war es vorbei. Meist wurden die Arbeiten einfach zerstört. Das tat mir weh. Deshalb habe ich bei befreundeten Unternehmen Räume am Flughafen und später in Harburg organisiert, um die Installationen zu erhalten. Das ist Kern der Ausstellung.

Und heute nach 25 Jahren ist diese Kunst Mainstream?

Mainstream interessiert mich nicht. Mir geht es um die Außenseiter und Freaks unter den Künstlern und nicht um diejenigen, die sich den Trends anpassen.

Mike Kelley, Kandor Con 2000. 99,9998 % Remaining © Estate Of Mike Kelley

Und wie geht es weiter?
Weiß ich auch nicht. Vieles der heutigen Wirtschaft mit den aktuellen politischen und ökonomischen Daten deutet auf einen weltweiten Crash hin. Die Kunst liefert seit jeher nicht nur Zeitdokumente der Vergangenheit, sondern auch eine Art Frühwarnsystem bedrohlicher Entwicklungen. Also passen wir auf.

Sammeln Sie weiter?
Selbstverständlich, obwohl gerade junge Gegenwartskunst der Multimedia in ihrer Vielfalt naturgemäß sehr schwer zu erfassen ist. Anything goes! Die jetzige Ausstellung INSTALLATIONEN AUS 25 JAHREN SAMMLUNG FALCKENBERG ist ein Zwischenbericht. Die Sammlung rangiert unter den weltweit führenden Sammlungen. Viel halte ich nicht von solchen Einordnungen. Kunst, Sammeln und Schreiben darüber sind in erster Linie eine persönliche Abrechnung.

Ein bisschen Resignation?

Überhaupt nicht. Alles hat einen Anfang und ein Ende. Ich bitte um Entschuldigung für diese Super-Plattitüde. Aber sie ist auf tragisch-komische Weise gerade für Kunst seit jeher wahr. Mein Anliegen kann nur sein, diesem im besten Sinne zeitweiligen Diskurs Leben einzuhauchen. Daran muss allerdings hart gearbeitet werden, vorab im Interesse der Künstler, ebenso aber zur Unterstützung öffentlicher Institutionen, die bereit sind, Kunst gegen die Angriffe populärer Eventkultur zu verteidigen. Wenn ich in diesem Sinne etwas für Hamburg und darüber hinauswirkend getan habe, freut mich das.

Wie hat sich der Kunstmarkt in den letzten 25 Jahren gewandelt?

Was für eine Frage! Ich analysiere seit mehr als zwei Jahrzehnten die Lage. Heute im Alter von 76 Jahren glaube ich, bis 2035 oder 2040 damit fertig zu sein. Lässt mich an eines meiner Lieblingsbilder von Mike Kelley im Vorfeld seines Selbstmords 2012 denken: 99,9998 % Remaining.

Die Ausstellung INSTALLATIONEN AUS 25 JAHREN SAMMLUNG FALCKENBERG ist bis zum 24. Mai 2020 in der Sammlung Falckenberg zu sehen.


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