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Nach einem knappen Jahr Vorbereitungszeit und einer für 6000 m2 Ausstellungsfläche doch recht kurzen Einrichtungszeit wird die Eröffnungsausstellung in den Deichtorhallen

EINLEUCHTEN: WILL, VORSTEL UND SIMUL IN HH

 

am 10. November 1989 eröffnet.

58 Künstler stellen 160 Werke aus, die mehrheitlich in den achtziger Jahren entstanden sind und für 25 Jahre Kunstentwicklung in Europa und USA stehen: also von den aufbruchsbereiten, hoffnungserfüllten sechziger Jahren bis zur heutigen, die Wirklichkeit mehr reflektierenden Kunst. Mit Joseph Beuys, Etienne-Martin, Mario Merz, Ellsworth Kelly setzt die Ausstellung ein, um mit den Beiträgen jüngster Künstler wie Rachel Whiteread und Cary Leibowitz zu enden. Außensituationen haben nur zwei Künstler geschaffen: Richard Serra und Lawrence Weiner.

Für die Ausstellung wurde angesichts der Größe der Räume eine besondere, monumentale, temporäre Architektur errichtet, die allen Medien, die Künstler heute einsetzen, gerecht wird, und ihre Werke zur Geltung bringt – vom Bild über die Skulptur und die Objektsituation bis zur Installation und Video.

So war es denn nur logisch, dass einige Künstler für diese Situation spezielle Werke oder Installationen geschaffen haben: so Christian Boltanski, Daniel Buren, Thierry De Cordier, Günther Förg, Cary Leibowitz, Wolfgang Laib, Sol LeWitt, Gerhard Merz, Mario Merz, Max Neuhaus, David Rabinowitch, Ulrich Rückriem, Serge Spitzer, Niele Toroni, Jan Vercruysse, Michel Verjux, Bill Viola. Mit neuen, bisher nicht gezeigten Werken sind vertreten: Lawrence Carroll, David Deutsch, Jiri Georg Dokoupil, Isa Genzken, Robert Gober, Thomas Grünfeld, Donald Judd, Ingeborg Lüscher, Marisa Merz, Reinhard Mucha, Holt Quentel, Royden Rabinowitch, Cy Twombly, Didier Vermeiren, Mark Wallinger, Franz West, Rachel Whiteread, Jerry Zeniuk, Otto Zitko.

Für Deutschland neu sind die Werke von Carl Andre, Giovanni Anselmo, Martin Disler, Etienne-Martin, Dan Flavin, Keith Sonnier, Richard Tuttle. Hommages in Form größerer Werkgruppen erfahren Robert Ryman, Bruce Nauman, Georg Baselitz und 0n Kawara.

Es ist also weder eine ausgewogene, den üblichen Konstellationen verhaftete Künstlergruppe, die hier ausgestellt wird, noch eine thematische, sondern eine intuitiv zusammengestellte, die – natürlich mit Verzichten – möglichst umfassend das Phänomen, die Sprache Kunst der letzten zwanzig Jahre vorführen will, als Information und als Aufforderung zur lustvollen Betrachtung.

Wir hoffen alle, dass mit dieser Ausstellung gelingt, was sich die Kunstfreunde in Hamburg erhofften, für die Moderne eine Institution geschaffen zu haben, die im Verbund der europäischen Ausstellungshallen sich ihren Platz erobern wird und in diesem Lebensraum kontinuierlich die Auseinandersetzung mit der Kunst unserer Zeit ermöglicht.

Katalog:

Einleuchten: Will, Vorstel & Simul in HH, Hg.: Harald Szeemann, Vorwort von Ingo von Münch, Texte von Harald Szeemann, Heinz Liesbrock, Christoph Schenker und Stephan Schmidt-Wulffen, Hamburg 1989, 289 S., 60 farbige und 27 s/w Abb.