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ROBERT FREEMAN – THE BEATLES: A PRIVATE VIEW


8. DEZEMBER 1995 BIS 7. JANUAR 1996

 

Ringo Starr war ihm das liebste Model unter den vier weltbekannten Gesichtern. „ Er hatte keinerlei Allüren, ließ sich gerne fotografieren", erinnerte sich Robert Freeman, „und besaß eine schier unglaubliche Nase!" Vier Jahre lang, von 1963 bis 1966, bannte der Brite seinen Favoriten und dessen Kollegen auf Zelluloid, war Freeman offizieller Fotograf der Beatles und folgte Ihnen mit der Kamera um die Welt. Die Cover ihrer ersten fünf Alben sind seine sicherlich bekanntesten Arbeiten, Bilder aus dem Studio und von der Konzertbühne, in den Straßen Londons oder auf Ringo Starrs Hochzeit werden zum Mosaik einer Epoche, zum fast hautnahen Rendezvous mit den Fab Four für den Betrachter. Nach Freemans Wahlheimat Madrid ist nun, vom 08. Dezember bis zum 07. Januar, Hamburg zweite Station der Ausstellung „The Beatles: A Private View,“ werden die Deichtorhallen zur Pilgerstätte nicht bloß erklärter Fans der Liverpooler.

„Es gab von Beginn an eine wundervolle Chemie zwischen uns", so Freeman über die dauerhafte Bilanz, „die Arbeit mit den Beatles war eigentlich ein leichtes Spiel wir betrieben keinen großen Aufwand und durften uns doch nach kurzer Zeit meist über phantastische Ergebnisse freuen." Wohl auch deshalb, weil Freeman seine Objekte stets zuerst als Individuen, fernab jeder Klischees und Stereotypen, sieht, „ich hatte nie ein Interesse daran, den typischen Popstar abzulichten." Ein Rezept, das für den heute 59jährigen zur Formel des Erfolges geworden ist: „Patience, Perception, be positive", Geduld, genaue Wahrnehmung und positives Denken sind „ die drei großen P meiner Arbeit. Wenn du die beherzigst, wirst du es niemals mit Problem-Kandidaten vor der Kamera zu tun haben."

Die pure Wahrheit offenbar, denn in seiner langen Karriere hat Robert Freeman nicht nur die Beatles zu Zeitdokumenten eingefroren - „sie machen bestenfalls ein halbes Prozent, aber natürlich den bekanntesten Teil meines Schaffens aus" – in seinem Studio waren auch Andy Warhol, Sultan Bomeo, Bob Marley, Pedro Almodovar, Charlton Heston, John Coltrane, Mikhael Bahshnikow und unzählige Andere zu Gast. Ihnen hat er glanzvolle Portraits, aber auch bewegte Bilder gewidmet: neben der Fotografie ist ihm das Filmemachen zweite Leidenschaft, schon bei „A Hard Days Night" und „Help" verzeichnete ihn der Abspann als Kameramann.

Für seine Ausstellung „The Beatles: A Private View“ hat Freeman nun die Fotos seines gleichnamigen Buches auf große Formate gebracht, 110 Exponate, in Farbe und Schwarzweiß, „einige in Plakatgröße, manche mehrere Quadratmeter groß", werden in Hamburg zu betrachten sein. Ein, so der Künstler, „völlig anderes Erlebnis als das Blättern im Buch. Das liegt auf deinem Schoß, wenn du im Sessel sitzt, hier aber wird ein Besuch zum Wandeln durch Geschichte und Erinnerungen, du musst von einem Bild zum anderen gehen und dich somit auf jedes einzelne wirklich einlassen." Als Soundtrack für die Reise in die Vergangenheit werden die Songs der Beatles und anderer Musiker ihrer Zeit erklingen.

Dass Hamburg noch vor New York, Los Angeles und Tokio am Anfang und nicht, wie
zunächst geplant, am Ende der Ausstellungsserie steht, ist einer guten Portion Glück und dem Mut schnell entschlossener Veranstalter zu verdanken. Die Deichtorhallen haben durch ihre Flexibilität für Hamburg eine künstlerisch wertvolle und aktuelle Ausstellung gesichert.

Wobei Freeman großen Wert darauf legt, „jetzt keines Schnellschusses bezichtigt zu werden, weil die Beatles wegen der bevorstehenden Reunion gerade wieder in allen Gazetten vertreten sind. Meine Austeilung ist schon viel länger in der Planung." Und lohnt den Besuch, ganz gleich, was McCartney, Harrison und Starr nun bald von sich hören lassen werden, denn so umfassend und intim wie Freeman hat niemand sonst die Band für alle Ewigkeit festgehalten. Kennt er auch für die Magie und Einzigartigkeit seiner Bilder eine Erklärung? „Schwer zu sagen, doch ich glaube, es ist die Art, wie sie in die Kamera schauen. Da gibt es eine Choreographie, auch eine Ehrlichkeit, die nur zu erreichen ist, wenn du den Menschen nicht als Dirigent, sondern mit kindlicher Neugier entgegentrittst." Das scheint Robert Freeman besser als jedem anderen gelungen zu sein, und so wird ein Besuch seiner Ausstellung am Ende für die Besucher viel mehr sein als der flüchtige Blick auf eine Legende. Eben „A Private View on the Beatles“.