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HausSchau - Das Haus in der Kunst

Die unterschiedlichsten Funktionen, Formen und Bedeutungen des Hauses sind ein altes und nach wie vor aktuelles Thema in der Kunst. Anhand ausgewählter Werke aus der Produktion der letzen drei Jahrzehnte sollen in der Ausstellung charakteristische Beispiele für den Umgang der Künstler mit diesem Thema gegeben werden. Im Vordergrund steht die Frage, wie die heutige Kunst mit den gesellschaftlichen, architektonischen, funktionalen, ökonomischen wie ökologischen Aspekten des Bauens umgeht.

Die Spannweite reicht von den architektonischen Bauten Absalons, die sich in ihren Proportionen an denen des menschlichen Körpers orientieren, über die gläsernen Pavillons Dan Grahams und den "Igloos" von Mario Merz bis zur systematischen Dokumentation industrieller Bauten bei Bernd & Hilla Becher. Vorgestellt werden jedoch auch Arbeiten jüngerer Künstler und Künstlerinnen, die sich heute mit dem Thema des Hauses beschäftigen.

 

Die Ausstellung knüpft an die 1997 in den Hamburger Deichtorhallen gezeigte Schau "home sweet home" an. Hierin wurden die verschiedenen Aspekte dessen, was wir im allgemeinen mit den Worten Heim, Zuhause und Heimat verbinden, aus der künstlerischen Praxis beleuchtet.

 

Zu den rund 35 beteiligten Künstlern zählen:

Absalon, F. Ackermann, J. Albrecht, St. Balkenhol, B. & H. Becher, M. Bonvicini, St. Couturier, St. Craig, Fischli/Weiss, L.. Gerdes, D. Graham, A. Gursky, C. Höller, M. Kasimir, H. Kiecol, M. Kuball, G. Matta-Clark, R. McBride, M. Merz, J. Opie, M. Pernice, Th. Schütte, A. Schulze, A. Slominski, R. Whiteread, A. Zittel u.a.

 

In der Ausstellung zum Thema "Das Haus in der Kunst" sind Objekte oder größere Werkgruppen von ca. 35 Künstlern und Künstlerinnen versammelt worden.

Ein Querschnitt durch konzeptuelle, soziologische, ökologische, politische, aber auch ästhetische Aspekte, die in der heutigen Kunst mit dem Gegenstand "Haus" verknüpft werden, wurde gezeigt.

Einige Positionen werden im folgenden vorgestellt.

 

Der inzwischen verstorbene israelische Künstler Absalon (1964 - 1993) beschäftigt sich in seinen weißen "Cellules" (= Zellen) mit der Erfahrung des Raumes und seiner eigenen körperlichen Existenz.

In den Deichtorhallen werden mehrere dieser Arbeiten gezeigt: "Cellule No. 1" von 1991, "Cellule No. 5" von 1992 sowie ggf. "Cellule No. 1" von 1992 für den Outdoor-Bereich.

 

Franz Ackermann (*1964, lebt und arbeitet in Berlin) plante eigens für die Ausstellung ein Wandobjekt, in welchem unterschiedliche Medien zusammenfließen werden.

 

Von den Düsseldorfer Fotografen Bernd & Hilla Becher werden je 15 Fotos aus drei typologischen Gruppen, "Mittelalterliche Häuser", "Ruhrgebietshäuser" und "Nachkriegshäuser", zu sehen sein.

 

Der Hamburger Künstler Jürgen Albrecht war mit drei Raumarbeiten sowie einem Video vertreten.

 

Die Arbeiten der Berliner Künstlerin Monica Bonvicini (geboren 1965 in Venedig) kreisen in ihrem radikalen Fragen um die Architektur als Bedeutungsträger in einer "seit Jahrhunderten von Männern dominierten Welt". In der Ausstellung wurden zwei Videoinstallationen präsentiert, darunter eine Arbeit mit dem Titel "Wallfucking" von 1995, welche die Trennung von öffentlichem Raum und Intimsphäre thematisiert und einen Blick auf die Architektur als Gebilde zur Strukturierung sozialer Kontakte und Geschlechterverhältnisse wirft.

 

Mehrere Bilder des französischen Fotografen Stéphane Coutorier (*1957, lebt in Paris) waren zu sehen.

 

Von Stephen Craig (*1960 in Lance, Nordirland, lebt in Hamburg) waren die raumgreifende Arbeit "Treppenstraße Pavillon", 1997, das 1:10 Modell dieses Pavillons sowie "The Transportable Pavilion" von 1996 zu sehen.

 

Die Schweizer Künstler Fischli & Weiss (geboren 1952 und 1946 in Zürich) waren mit zwei Arbeiten vertreten: "Haus", einer Skulptur von 1985 sowie 20 Fotos aus der Serie "Vorstadthäuser".

 

Ludger Gerdes (*1954, lebt in München u. Frankfurt) ist mit der großformatigen Skulptur "Bau-Bild-Böcklin" vertreten. In dem Werk wird die bildhafte Architektur der vorindustriellen Epochen reflektiert.

 

Von dem Amerikaner Dan Graham (* 1942 in Illinois) waren ein Pavillion, einige Modelle sowie die Fotoserie "Homes for America" zu sehen.

 

Der Fotograf Andreas Gursky (* 1955 in Leipzig, lebt und arbeitet in Düsseldorf) zeigte die Werke "Hongkong Shanghai", "La Défense" und "Paris, Montparnasse".

 

Carsten Höller (*1961 in Brüssel, lebt und arbeitet in Köln) war mit der Arbeit "Ballhaus", 1999 vertreten. Die begehbare Skulptur aus Stoff war mit rund 70 Bällen auf einem Sandboden gefüllt.

 

Marin Kasimir (*1957 in München, lebt und arbeitet in Brüssel und Paris) zeigte eine großformatige, 3-tlg. Fotoarbeit sowie eine neue Arbeit.

 

Von Hubert Kiecol (*1950 in Bremen, lebt und arbeitet in Köln) waren die Arbeiten "Tisch mit acht Häusern" von 1980 sowie die aktuelle Arbeit "Treibhaus" im Maßstab 1:1 zu sehen sein.

 

Die raumgreifende Installation "Worringer Hof" von 1996 ist der Beitrag Andrea Knoblochs (*1961 in Hamburg, lebt in Düsseldorf). Hier nimmt sie maßstabsgetreu das Abbild eines Fassadenstück eines Düsseldorfer Hauses auf und integriert die begehbaren Nachbauten in den Ausstellungsraum.

 

Der in Düsseldorf lebende Künstler Mischa Kuball nahm mit einer Lichtinstallation für die Fassade der nördlichen Deichtorhalle an der Ausstellung teil.

 

Von Gordon Matta-Clark (*1943 in New York City, 1978 gestorben) waren verschiedene Foto-Collagen sowie Videoarbeiten und die Skulpur "Bingo" aus drei Wandfragmenten zu sehen.

 

Die amerikanische Künstlerin Rita McBride (*1960 geboren in Des Moines, Iowa lebt und arbeitet in New York) ist mit mehreren Plastiken vertreten, u.a. "Mid-Rise Automobile Parking-Strukture", 1994.

 

Von Mario Merz (*1925 in Mailand, lebt und arbeitet in Berlin) wurde das Leinwand-Igloo "Tenda die Gheddafi", 1988, gezeigt.

 

Julian Opie (*1958 in London, lebt und arbeitet in London) war mit mehreren Skulpturen (Church, div. Tower) und einem Wandgemälde vertreten.

 

In "Bringing the War Home" (1967-1972), einer Serie von 20 Fotomontagen, konkretisiert die New Yorker Künstlerin Martha Rosler (*in New York City) "den Krieg in der Ferne" und "den Krieg zu Hause". Anlaß hierzu bildete die Berichterstattung der Medien über den Vietnamkrieg.

 

Der Münchner Künstler (und Galerist) Rüdiger Schöttle (*1941 in Stuttgart, lebt und arbeitet in München) zeigte eine aktualisierte Version der begehbaren Gemeinschaftsarbeit "Das goldene Zimmer"von 1989. Die Außenhaut wurde von dem in Berlin lebenden Künstler Michel Majeros (*in Esch/Luxemburg, lebt und arbeitet in Berlin) gestaltet werden (bekannt von der letzten Biennale in Venedig). In der Installation sind Skulpturen von Stephan Balkenhol (*in Fretzlar/Hessen, lebt und arbeitet in Kleinhahl-Edelbach) integriert.

 

Desweiteren präsentierte der Hamburger Künstler Andreas Slominski (1959 geboren in Meppen, lebt und arbeitet in Hamburg) sein voluminöses Objekt "Mühle von Richard Kluin" aus Holz, Metall und Glas in den Deichtorhallen.

 

Thomas Schütte (*1954 in Oldenburg, lebt und arbeitet in Düsseldorf) war mit mehreren "Haus"-bezogenen Arbeiten vertreten.

 

Von Andreas Schulze (*1955 in Hannover, lebt und arbeitet in Köln) waren eine Anzahl von "Häusern", 1989, in die Ausstellung integriert.

 

Eine Foto- und Videodokumentation wurde zur Rekonstruktion des 1993/94 im Londoner East End (Grove Rd.) stattgefundenen Projektes "House" der britischen Künstlerin Rachel Whiteread (1967 geboren in London) verhelfen.

 

Und schließlich wurde die funktionale Skulptur "Yard Yacht" der kalifornischen Künstlerin Andrea Zittel (geboren 1967 in Escondidio/Kalifornien, lebt und arbeitet in Altadena/Kalifornien), welche auch Teil ihrer derzeitigen Einzelausstellung in den Deichtorhallen ist, mit in den neuen Kontext der kommenden Ausstellung übernommen werden.