ARCHIV
 

ENZO CUCCHI − BERGE, MENSCHEN, LICHT. GEMÄLDE UND ZEICHNUNGEN 1995 − 1999


11. JUNI BIS 12. SEPTEMBER 1999



Neuere Bilder von Enzo Cucchi, einem der wichtigsten Vertreter der italienischen Gegenwartskunst, bilden das Kernstück der umfangreichen Ausstellung in der südlichen Deichtorhalle. Die Ausstellung wird rund 70 überwiegend großformatige Gemälde und 44 Zeichnungen beinhalten.

Cucchi wurde 1950 in Ancona an der Adriaküste geboren und lebt in Rom. Er wird zu den profiliertesten Künstlern seiner Generation gezählt. Zusammen mit den Künstlern Franceso Clemente, Mimmo Paladino und Sandro Chia bildete er den Mittelpunkt der sog. Transavantgardia / Arte Oha. Nach dem ästhetischen Purismus und der Intellektualität der Minimal und Concept Art der 60er und 70er Jahre wurde durch die Transavantgardia am Ende der 70er Jahre von Italien aus eine neue Expressivität und Emotionalität in die Kunstwelt eingeführt.

Zunächst von der Konzeptkunst beeinflusst, ging Cucchi Ende der 70er Jahre zu Wandmalerei, Zeichnung und Ölmalerei über, wobei er auch plastische Elemente (z.B. kleine Skulpturen) in seine Bilder einbezog. Nach einer Periode der Experimente mit verschiedenen Materialien sind in den späten 80er Jahren großformatige Gemälde und Skulpturen sowie außerordentlich dimensionierte Zeichnungen entstanden.

Die in den Deichtorhallen präsentierten Arbeiten aus der Zeit 1995-99 kehren farbig und formal zu den frühen Bildern aus den 80er Jahren zurück, entfalten jedoch einen Reichtum von Bildfindungen, dem im bisherigen Schaffen von Cucchi nichts entgegenzusetzen ist. Diese neuesten Gemälde, in welche auch Neonlicht integriert ist, zählen zu den größten Überraschungen im Werk Enzo Cucchis.

Wie das gesamte Oeuvre Cucchis sind auch diese Bilder vielschichtige Bestandteile einer privaten Mythologie, die von archaischen Zeichen und Legenden geprägt ist. Entsprechend tauchen Motive wie Berg, Weg, Fuß immer wieder auf. Sie sind auch Licht und Schatten konturiert und verweisen nicht nur damit auf historische Vorgänger wie Masaccio, Caravaggio und El Greco. In vielen der neuesten Arbeiten sind neben Neon weitere Materialien einbezogen; In die Zeichnungen werden Fellimitate, Maschendraht und Pappe appliziert. Die Werke erhalten hierdurch eine starke haptische Ausstrahlung, die über das rein Bildhafte hinausreicht.

Enzo Cucchi stellte in zahlreichen führenden Museen aus: Museum Folkwang, Essen (1982), Kunsthalle Basel (1983), Louisiana Museum of Modern Art, Dänemark (1985), Solomon R. Guggenheim Museum, New York (1986), Centre Pompidou, Paris (1986), Kunsthalle Hamburg (1992), Palazzo Reale, Mailand (1995), Sezon Museum of Art, Tokyo (1996) und in vielen anderen mehr


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen der jüngsten Arbeiten und Installationsansichten der Deichtorhallen sowie einem Vorwort von Zdenek Felix.