F.C. GUNDLACH ZUM 90. GEBURTSTAG


Am 16. Juli feiert F.C. Gundlach, der Grandseigneur der Fotografie, seinen 90. Geburtstag. Die Fotografie hat stets F.C. Gundlachs Leben bestimmt, als Fotograf, Galerist, Sammler, Ausstellungsmacher, Lehrer, Museumsdirektor, Stifter und Förderer. Seine Aktivitäten haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Stadt Hamburg heute international als Stadt der Fotografie und der Fotografen wahrgenommen wird.

»Als Gründungsdirektor des Hauses der Photographie in den Deichtorhallen und Initiator der Triennale der Photographie in Hamburg sind wir F.C. Gundlach besonders verbunden. Seine fotografische Sammlung und die Bibliothek F.C. Gundlach bilden den Grundstein für die Arbeit des Hauses der Photographie. Wir gratulieren ihm sehr herzlich!« so Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow. »Darüber hinaus schätzen wir ihn als hervorragenden Ratgeber für alle Belange rund um das Haus der Photographie« ergänzt der Kaufmännische Direktor Bert Antonius Kaufmann.

Anlässlich des 90. Geburtstages von F.C. Gundlach werden im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg ab dem 18. November 2016 parallel die zwei Ausstellungen »Peter Keetman: Gestaltete Welt − ein fotografisches Lebenswerk« und »The Concept of Lines: Richard Avedon, George Hoyningen-Huene, Irving Penn« gezeigt. Die beiden Ausstellungen stehen exemplarisch für drei große Arbeitsbereiche des Doyen der deutschen Fotografie: das Kuratieren, Bewahren und Sammeln.

Die Ausstellung »Peter Keetman. Gestaltete Welt« wurde von F.C. Gundlach als Senior Curator und Spiritus Rektor begleitet, der über viele Jahrzehnte in intensivem Austausch mit Peter Keetman stand. Mit seinem Tod vererbte Keetman Gundlach sein Werk und die damit verbundenen Rechte. Die Stiftung F.C. Gundlach verwaltet seitdem einen umfangreichen Teil des Nachlasses von Peter Keetman, der andere Teil liegt im Museum Folkwang, Essen, das diese Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung F.C. Gundlach realisiert hat.

Die Ausstellung »The Concept of Lines« macht die außerordentliche Qualität der Sammlung F.C. Gundlach deutlich, die zu großen Teilen als Dauerleihgabe dem Haus der Photographie zur Verfügung steht. Die Ausstellung setzt die Reihe von Präsentationen mit Werken aus der Sammlung F.C. Gundlach fort, in der schon u.a. »Heartbeat of Fashion« oder »New Color Photography« gezeigt wurden.

Das fotografische Werk F.C. Gundlachs selbst wurde 2008 in einer umfangreichen Retrospektive im Haus der Photographie präsentiert. Aktuell sind in Deutschland gleich drei Ausstellungen aus dem Werk von F.C. Gundlach zu sehen: »F.C. Gundlach − 90 Jahre 90 Fotos« bei Contemporary Fine Arts in Berlin sowie »All Eyes on Paris« bei Dear Photography in Hamburg. Die Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg präsentiert zudem noch bis zum 6. August in Kooperation mit dem Haus der Photographie in den Deichtorhallen und der Stiftung F.C. Gundlach Originalplakate zu Ausstellungen eigener Arbeiten sowie von F.C. Gundlach kuratierter Schauen.

ZUM LEBEN F.C. GUNDLACHS

Die frühen Jahren
F.C. Gundlach, geboren am 16. Juli 1926, ist einer der bekanntesten Modefotografen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Viele seiner Bilder sind heute als Ikonen im kulturellen Bildgedächtnis verankert.

Meister der Eleganz   
1950 ging F.C. Gundlach das erste Mal nach Paris. Homestories von Filmstars und erste Modebilder entstanden. Doch auch in Deutschland erlebte die Mode und damit die Modefotografie eine Blüte. Das elegante Lifestyle-­Magazin »Film und Frau« wurde 1953 zum größten Auftraggeber für F.C. Gundlach. Bis 1963 fotografierte er über 3.500 Seiten für den redaktionellen Teil und mehr als 100 Titelbilder.

Neben Modeaufnahmen entstanden zahlreiche Reise-­Reportagen in der gesamten Welt, die er aufgrund seines Exklusiv-­Vertrages mit der Lufthansa ab 1956 realisieren konnte. Ab 1963 arbeitete F.C. Gundlach für die Brigitte und begann die damals noch neue und anfangs kritisch beäugte Prêt-­à-­porter zu featuren. Eine intensive Zusammenarbeit begann: bis 1989 fotografierte er insgesamt mehr als 160 Titelcover und über 5.000 Seiten im redaktionellen Modeteil. Ende der 80er Jahre beendete er seine Zeit als aktiver Fotograf und widmete sich fortan dem Medium Fotografie im musealen Sinne.

Der Unternehmer   

Bereits 1967 gründete er das Unternehmen CC (Creative Colour), 1971 folgte PPS. (Professional Photo Service), ein Dienstleistungsunternehmen für professionelle Fotografen, 1975 die damit einhergehende PPS. Galerie, eine der ersten Galerien für Fotografie in Deutschland mit weltweiter Reputation. Hier präsentiert F.C. Gundlach von 1975 bis 1992 mehr als 100 Ausstellungen.

Engagement für die Fotografie
Auch für Museen wie den Kölner Kunstverein, die Hamburger Kunsthalle, das Museum für Kunst und Gewerbe und natürlich die Deichtorhallen Hamburg kuratiert F.C. Gundlach wegweisende Ausstellungen. 1999 initiierte er die Triennale der Photographie, die seither alle drei Jahre als gesamtstädtisches Festival der Fotografie einen Platz bietet. 2003 wurde er Gründungsdirektor des Hauses der Photographie, mit dem in den Deichtorhallen eine bis heute einzigartige Plattform der Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie geschaffen wurde.

Der Sammler und Stifter   
Schon seit Beginn der 80er Jahre konzentrierte sich seine Aufmerksamkeit zunehmend auf das Sammeln fotografischer Werke und die Konzeption fotografischer Ausstellungen und Buchpublikationen. Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen wie die Verleihung der Ehrenprofessur der HFBK, des Bundesverdienstkreuzes und des Henri Nannen Preises zeichnen seine Bemühungen rund um das Medium Fotografie aus. Um sein Lebenswerk und seine umfangreiche Sammlung auf Dauer zu sichern, gründete er im Jahre 2000 die Stiftung F.C. Gundlach. Diese widmet sich der Bewahrung und Präsentation seiner Sammlung und seines Lebenswerkes. Mit der Gründung des Hauses der Photographie stellte er den zentralen Teil seiner Sammlung mit dem Thema »Das Bild des Menschen in der Photographie« der Freien und Hansestadt Hamburg als Dauerleihgabe zur Verfügung.

Bis heute ist F.C. Gundlach aktiv: als Produzent renommierter nationaler und internationaler Ausstellungsprojekte, Förderer junger Fotografietalente, Bewahrer außerordentlicher fotografischer Nachlässe sowie Berater und Visionär im Sinne des Mediums Fotografie.


Einen persönlichen Blick auf das Leben und Schaffen von F.C. Gundlach wirft der Gastautor Hans-Michael Koetzle im Blog der Deichtorhallen. Der renommierte Fotografiekritiker hat schon mehrere Ausstellungen in Kooperation mit F.C. Gundlach als auch für die Deichtorhallen kuratiert, darunter »Eyes on Paris« und die Retrospektive von F.C. Gundlach.



Senatsfrühstück für Prof. F.C. Gundlach mit Bürgermeister Olaf Scholz,
Nadja Tiller und F.C. Gundlach (v.r.). Foto: Nona Koberidze