F.C. Gundlach
1926 – 2021

Foto: Sabine Lewandowski Foto: Sabine Lewandowski

Wir trauern um Prof. F.C. Gundlach, der am 23. Juli 2021 in Hamburg im Alter von 95 Jahren verstarb. F.C. Gundlach widmete sein Leben ganz der Fotografie, als herausragender Fotograf, Unternehmer, Galerist, Sammler, Kurator, Lehrer, Direktor, Stifter und Förderer.

Als Mäzen und Kurator von Fotokunst übergab er seine umfangreiche Sammlung 2003 den Hamburger Deichtorhallen als Dauerleihgabe. Mit der damit verbundenen Gründung des Hauses der Photographie ging ein lang gehegter Wunsch von F.C. Gundlach in Erfüllung, der mit der Gründung des »Arbeitskreises für Photographie« im Jahr 1993 und der Initiierung der ersten Triennale der Photographie in Hamburg 1999 begann.

F.C. Gundlach 2003 dazu: »Dass sich die Stadt Hamburg entschlossen hat, meiner Sammlung mit der südlichen Deichtorhalle einen so repräsentativen Ort zu geben, freut mich besonders. Das ‚Haus der Photographie’ soll darüber hinaus zu einer Begegnungsstätte werden, zu einer vitalen Institution, die mit wechselnden Ausstellungen, Workshops und Symposien dem Medium Photographie die Aufmerksamkeit verschafft, das es verdient.« Damit war für Hamburg die Möglichkeit eröffnet, sich in den Kreis ähnlicher Institutionen wie sie in Frankreich, der Schweiz und den USA längst bestanden, erfolgreich einzureihen.

»F.C. Gundlach, ein großartiger Fotograf und Foto-Visionär hat als einer der Ersten für die Akzeptanz des Mediums Fotografie als Kunstform gekämpft. Schon 1975 hat er mit der PPS. Galerie F.C. Gundlach eine der ersten Fotogalerien Deutschlands gegründet und begonnen, seine fotografische Sammlung aufzubauen - lange bevor die Fotografie einen festen Platz in den Museen hatte und der Kunstmarkt sie entdeckte«, so Prof. Dr. Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen Hamburg. »Seiner intensiven Sammelleidenschaft ist es zu verdanken, dass seine Sammlung heute zu einer der bedeutendsten privaten fotografischen Sammlungen internationalen Ranges gezählt werden kann. Wir sind sehr stolz, diese außerordentliche Sammlung zu betreuen, Ausstellungen aus ihr zu konzipieren und ein umfangreiches Rahmenprogramm daraus zu entwickeln und so das Lebenswerk F.C. Gundlachs lebendig zu halten.«

»F.C. Gundlach war uns auch über seine aktive Phase als Gründungsdirektor des Hauses der Photographie von 2003 bis 2005 und als langjähriges Aufsichtsratsmitglied immer ein hoch geschätzter Berater und Impulsgeber - seine Stimme hatte in Hamburg und weit darüber hinaus Gewicht, er galt als Doyen der Fotografie Deutschlands. Ihm ist es durch die Gründung der Triennale der Photographie und des Hauses der Photographie zu verdanken, dass Hamburg die Hauptstadt der Fotografie in Deutschland ist«, ergänzt Bert Antonius Kaufmann, Kaufmännischer Direktor der Deichtorhallen Hamburg.

»Das vielschichtige Medium würde heute in Europa nicht so breit diskutiert werden, wenn der Visionär F.C. Gundlach nicht von Anfang an jede Gattung der Fotografie gleichberechtigt behandelt hätte. Denn für Gundlach galt die These des kanadischen Medientheoretikers Marshall McLuhan: Das Medium ist die Botschaft genauso wie er immer auch junge Fotografie fern ihres Marktwertes gefördert und gesammelt hat. Diese Haltung findet sich bis heute im Haus der Photographie wieder.« Ingo Taubhorn, Kurator Haus der Photographie.

»Die wunderbare Sammlung von F.C. Gundlach ist nicht nur durch ihre Vielschichtigkeit und ihre sehr spannenden Bildautoren eine großartige Quelle der Fotografiegeschichte. Besonders faszinierend für mich war es immer, nicht nur mit den Fotografien der Sammlung zu arbeiten und dabei ganze Parallelwelten entstehen zu lassen, sondern dazu auch meinen Sammler zu „bearbeiten“: Ihn geschickt einzuspinnen in Gespräche. Ihn zu motivieren, sich an unzählige Begebenheiten zu erinnern. Lächelnd zuzuschauen, wie er darüber in temperamentvolles Schwelgen geriet, gleichzeitig aber auch Sachverhalte beurteilte, sie treffsicher auf den Punkt brachte, korrigierte, verschüttete Tatsachen hervorhob und bei bestimmten „Fakten“ einfach nur gelassen abwinkte. F.C. Gundlach war ein leidenschaftlicher Zeitzeuge, der Fotografiegeschichte verkörperte – einfach, weil er sie lebte.« Dr. Sabine Schnakenberg, Kuratorin der Sammlung F.C. Gundlach am Haus der Photographie.

Für seinen unermüdlichen Einsatz für die Fotografie erhielt F.C. Gundlach zahlreiche Ehrungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, Professuren an der Hochschule der Künste Berlin und der Hamburger Hochschule für Bildende Kunst, den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie, den bedeutendsten deutschen Fotopreis, den Henri-Nannen-Preis u.v.m.

Lesen Sie einen ausführlichen Nachruf auf F.C. Gundlach in unserem Online-Magazin HALLE4.