ARCHIV
 

TINA MODOTTI − AUS DEM FOTOGRAFISCHEN WERK

MANUEL ALVAREZ BRAVO − CAJA DE VISIONES / VISIONÄRE KAMERA


13. MÄRZ BIS 1. JUNI 1998



Parallel zu den bereits eröffneten Schauen „Sammlung Lambert" und „Nobuyoshi Araki – Tokyo, Markt der Gefühle" zeigen die Deichtorhallen eine Doppelausstellung der beiden bekannten mexikanischen Fotografen Tina Modotti (1896-1942) und Manuel Alvarez Bravo (geb. 1902).

Als Sängerin, Schauspielerin, politische Aktivistin und Revolutionärin machte sich Tina Modotti bereits in den 30er Jahren einen Namen. Als Freundin und Assistentin des berühmten amerikanischen Fotografen Edward Weston ging sie in die Geschichte der Fotografie ein. Ihr verhältnismäßig schmales Oeuvre ist durch die präzise Beobachtungsgabe und stilistische Sicherheit bei der Wahl von Ausschnitten gekennzeichnet. Ihr soziales Engagement brachte sie nach 1926 in enge Beziehung zur Welt der mexikanischen Arbeiter und Bauern, deren Leben und Kampf sie auf sensible Art zu dokumentieren suchte. Besonders die 1929 von ihr selbst in der Nationalbibliothek in Mexico City organisierte Ausstellung legt Zeugnis ab von Modottis eigenständiger Reportage- und Porträtkunst. Die Bilder dieser Schau stehen im Zentrum der Hamburger Präsentation.

Unmittelbar von Tina Modotti beeinflusst und von ihr zur weiteren Arbeit ermuntert, begann Manuel Alvarez Bravo (geb. 1902) um 1925 seine Karriere als Fotograf mit Aufnahmen von einfachen Situationen und Objekten: Details der Wand einer aztekischen Ruine, Holzmeiler, Papierrolle, zusammengerollte Matratze, etc. erlauben ihm die Konzentration auf das Wesentliche. Licht und Form bilden in diesen Bildern eine seltsame, poetische Einheit.
In den 30er Jahren folgen die vom Surrealismus beeinflussten Aufnahmen von Schaufenstern sowie die ersten Porträts und figürliche Studien. Bis heute hat es Manuel Alvarez Bravo verstanden, seine subtile fotografische Kunst weiterzuentwickeln. Er gehört zu den bedeutendsten Fotografen Lateinamerikas, der auch außerhalb seines Heimatlandes Mexiko zu großer Bekanntheit gelangte.

„Die wichtigste Kraft, die seine Fotografie prägt, ist jedoch nicht die Kunst, sondern die Kultur. Die Themen, um die sein Schaffen sich dreht, sind ihrem Wesen nach mexikanisch; Motive, die so traditionell sind, dass sie nicht selbst gewählt wirken“ (A. D. Coleman).

Ca. 170 Fotos belegen in den Deichtorhallen die Entwicklung dieses bedeutenden mexikanischen Fotografen. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Mexikanischen Generalkonsulat in Hamburg entstanden.