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PAUL MPAGI SEPUYA
DAYLIGHT STUDIO /
DARK ROOM STUDIO

#PAULMPAGISEPUYADTH

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PHOXXI 25. November 2022 — 26. Februar 2023

Neue Arbeiten von PAUL MPAGI SEPUYA aus seiner fortlaufenden Serien »Daylight Studio / Dark Room Studio« werden ab dem 25. November im PHOXXI, dem temporären Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg, erstmalig in Europa präsentiert. SEPUYA (*1982 in San Bernardino, Kalifornien, USA, lebt und arbeitet in Los Angeles) gehört zweifelsfrei zu den weltweit bedeutendsten Künstlern der queeren Fotografie.

PAUL MPAGI SEPUYA verwebt in seinen »Daylight Studio« Bildern historische Bedingungen von Studiofotografie mit zeitgenössischen Interpretationen des Porträts. Dabei beleuchtet er die klassischen Rahmenbedingungen der Porträtfotografie, setzt sie in neue Zusammenhänge und deutet sie auf diese Weise zum Teil völlig um: das Interagieren von Fotograf und Fotografiertem, das Interieur mit seinen symbolisch aufgeladenen Details und Requisiten und nicht zuletzt den Raum selbst als einen intimen, geschützten Ort für freien Ausdruck.

Mit seinen beiden letzten Werkserien sowie vergleichbaren Arbeiten wie figures, grounds and studies (2015-2017) oder Dark Room (2017-2021), stellt SEPUYA die subjektiven und materiellen Positionen von blackness und queer-homoerotischem Begehren in Zusammenhang mit der Entstehung, dem gegenwärtigen Zustand und der Zukunft des Mediums Fotografie. Seine Bilder sind dabei vielmehr als Fragestellungen und Reflexionen vorherrschender Konstruktionen und Stereotype von Geschlecht und rassifizierter Sexualität zu verstehen, als dass sie versuchen würden, eine Definition derselben vorzugeben.

PAUL MPAGI SEPUYA nimmt die Verwendung von Tageslicht und gefundene Requisiten der historischen Studiofotografie als Konzepte auf und unterläuft sie. Er begann, den Rahmen seiner Fotografien zu erweitern und das Studio selbst zum Subjekt seiner Arbeit zu machen. Dafür erforschte er anhand zahlreicher Abbildungen die Symboliken und Bildsprachen der Studiofotografie bis ins 19. Jahrhundert zurückgehend und sammelte ausgehend davon Objekte sowohl zeitgenössischer, historischer wie antiker Natur, welche Referenzen auf die Trophäen und Dekorationen der Foto-Studios des 19. und frühen 20. Jahrhunderts geben. In der Geschichte der Fotografie markiert diese Zeit den Höhepunkt des westlich-europäischen Imperialismus in Afrika und Süd-Asien. Durch die Aneignung und Umdeutung der Objekte im Bild kreiert SEPUYA eine Kulisse, welche über die Verhältnisse von Eigentum und Differenz reflektiert und diese letztlich völlig aufzulösen versucht.

Die dargestellten Menschen oszillieren in seinen »Daylight Studio«-Arbeiten zwischen portraitiertem Subjekt und stilisierter Modell-Studie – ihre Interaktionen, Posen und Selbstpräsentationen sind größtenteils selbstgewählt und nicht vom Künstler diktiert. Meist handelt es sich bei dabei um Freund*innen, Freundesfreund*innen oder Künstlerkolleg*innen SEPUYAS. Die persönliche Verbindung lässt einen besonderen Raum von Vertrauen und Intimität entstehen – das Studio wird zu einer Art privater Bühne, die zum Experimentieren und Spiel mit der Präsentation des Selbst einlädt. SEPUYA nimmt dabei die Rolle hinter der Kamera ein, der unsichtbare Arbeiter, der den Raum unterhält.

Gleichzeitig nutzt er das Studio als Raum der Selbst-Reflexion, in dem er sich seines eigenen Körpers und seiner Rolle als Fotograf in Relation mit all seinen Objekten und historischen Referenzen bewusst wird. Oft ist die Kamera selbst im Bild und präsentiert dem Betrachtendem das machtvolle Werkzeug der Bilderzeugung und Identitätskonstruktion. Der Einsatz von Spiegel und bereits gedruckten Fotos zeigt vielfältige Perspektiven auf, Verschachtelt die Bilder, macht unsichtbare Dinge sichtbar und hält dem Betrachter gleichsam den Spiegel vor. Durch die deutlich sichtbare Offenlegung all dieser Bedingungen von Studiofotografie lenkt er die Aufmerksamkeit auf den Akt des Betrachtens und fordert uns auf, unsere Beziehung zum Motiv ebenso zu überdenken wie die eigene. "Ich möchte das Bewusstsein des Betrachters für seine Position schärfen", so SEPUYA.

Konträr zu diesem selbst-reflexiven und symbolischen Charakter der »Daylight Studio«-Arbeiten betonen Sepuyas »Dark Room Studio«-Fotografien die formalen und technischen Elemente des Fotografierens. Viele der »Dark Room Studio«-Arbeiten sind nur mit roten Sicherheitslampen beleuchtet und lassen die dargestellten Körper dadurch in ihren Bewegungen und Interaktionen in den Bildern fast wie Verzerrungen wirken, die zum Teil kaum sichtbar sind und durch eine verlängerte Belichtungszeit von mehreren Sekunden entstehen. Dadurch erinnern sie an frühe Daguerreotypien oder fotohistorische Studien wie etwa Eduard Muybridges Motion Studies – an alles, was nicht auf Platten, Negativen und Abzügen festgehalten wurde – und an die Möglichkeiten, auf diese Weise Bezüge zwischen heutigen und vergangenen Zeiten herzustellen. Die im Thermosublimationsdruck hergestellten Bilder sind unreproduzierbare Unikate.

Auch der historisch marginalisierte schwarze, queere Blick prägt SEPUYAS faszinierende Bildwelt. SEPUYA sprach in einem Interview über sein Interesse an einer "queeren Moderne" und sagte, er hoffe, dass sein eigenes Werk die Betrachter dazu anregen werde, "auf neue Weise über die Strukturen der Fotografie, des Porträts und der queeren Sozialität nachzudenken". Es ist sein Ziel, mit seinen Fotografien eine universelle Bildsprache zu schaffen, die frei von Hierarchien ist und Differenzen aufzulösen sucht.

SEPUYA ist Associate Professor für Visual Arts an der University of California, San Diego und hat weltweit ausgestellt. Seine Arbeiten sind unter anderem in den Sammlungen des Guggenheim Museums, des Los Angeles County Museum of Art, des Whitney Museum of American Art und des Stedelijk Museum zu finden. Mit der französischen Künstlerin ALIX MARIE und dem US-amerikanischen Fotografen PAUL MPAGI SEPUYAstehen im Herbst zwei künstlerische Positionen im PHOXXI im Fokus, die sich unter Anwendung verschiedener künstlerischer Methoden mit dem menschlichen Körper, Herkunft und Gender auseinandersetzen.

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